Solche Techniken setzte denn auch der Schweizer Piccard ein, um sich auf seine Abenteuer vorzubereiten. Er visualisierte Gefahrensituationen, spielte seine Reaktionen im Geiste durch. Während er mit dem sonnenbetriebenen Leichtflugzeug "Solar Impulse 2" binnen 500 Tagen die Erde umrundete, half ihm Selbsthypnose, um sich den Tag in den Lüften einzuteilen. Von März 2015 bis Juli 2016 wechselte er sich mit seinem Partner Andre Borschberg im Cockpit ab. "Es war ein fantastisches Gefühl. Man baut Jahre daran. Und dann zieht man den Gashebel, hebt lautlos ab und fliegt tage- und nächtelang. Hunger und Müdigkeit spielen keine Rolle. Es gibt zu Essen, isolierende Kleidung und wenn der Autopilot an ist, bringt man sich selbst zum Schlafen. Es gibt keinen Treibstoff, keine Verschmutzung und keinen Lärm."

Bleibt die Frage, warum die Welt immer noch auf Verbrennungsmotoren setzt. Ein Grund könnte sein, dass die Technologie für den Flugverkehr noch zu anfällig ist. Etwa musste "Solar Impulse 2" unterwegs wegen eines Defektes der Batterien eine neunmonatige Pause einlegen. Piccard zeigt sich zuversichtlich. "Als wir das Projekt starteten, wollte der damalige Chef des Flugzeugbauers Airbus nicht in uns investieren. Seit unserem Erfolg wird bei Airbus am elektrischen Antrieb geforscht", sagt er. Zwar werde es wohl noch dauern, bis ein A380 mit Sonnenstrom fliegt. "Doch in 8,5 Jahren werden Kurzstrecken für 50 Passagiere mit Sonne und Strom geflogen werden. Schon heute gibt es Zweisitzer, die so betrieben sind", betont Piccard.

Verbesserte Lebensqualität

Derzeit ist der Flugpionier in Sachen Klimaschutz unterwegs. Mit seiner "Weltweiten Allianz für effiziente Lösungen" sucht er nach Technologien, die mit erneuerbaren Technologien betrieben werden oder helfen, Ressourcen zu sparen. Dabei stemmt sich der Schweizer Abenteurer keineswegs gegen die Marktwirtschaft. Ganz im Gegenteil ist er davon überzeugt, "dass die Menschen das Klima nur schützen, wenn diese Technologien profitabel sind."

"Ich bin kein Ökologe, sondern ich denke logisch", sagt Piccard: "Und es ist völlig logisch, dass grüne Technologien die Lebensqualität verbessern, neue Märkte und neue Jobs schaffen." Dem US-Präsidenten und Klimawandel-Leugner Donald Trump dreht er den Spieß um: "Wenn man ein Land entwickeln will, muss man etwas Profitables tun. Selbst wenn einem der Klimawandel egal ist, sind erneuerbare Energien gewinnbringender als Kohle und Öl oder alte Elektroleitungen, die mit Nägeln auf Masten montiert sind. Einem unaufhaltbaren Trend soll man sich nicht entgegenstemmen."

Bis zum C24-Klimagipfel in Polen im Dezember sucht Piccard 1000 marktreife Anwendungen, die einen effizienten Klimaschutz ermöglichen. Rund 500 hat er nach eigenen Aussagen bereits. Zu ihnen zählen mikro-elektrische Filter, die Wasser zu Trinkwasser machen, Instrumente zur Senkung von Schadstoffen in Autoabgasen und ein System, das Kaltwasser beim Duschen mit warmem Abwasser heizt. Piccards Vita lässt erwarten, dass noch viele Erfindungen mehr dazukommen.