Erdmantel ein wenig wärmer

Bei diesem Tempo konnte der Untergrund nicht mithalten, das zähflüssige Gestein des Erdmantels schwappt in Super-Zeitlupe zurück und schiebt den eingedellten Untergrund nur sehr langsam wieder nach oben. "Noch heute hebt sich das Zentrum Skandinaviens daher mit einem Tempo von bis zu zehn Millimetern im Jahr", erklärt Sasgen. Dieser GIA scheint auch in der West-Antarktis am Werk zu sein. Allerdings hebt sich der Untergrund dort viel schneller als in Skandinavien. Den Hintergrund dazu erklärt AWI-Forscher Karsten Gohl, der sich mit der Geophysik der West-Antarktis beschäftigt: "Dort ist ähnlich wie im ostafrikanischen Grabenbruch oder im Oberrheintalgraben zwischen Schwarzwald und Vogesen der obere Rand des Erdmantels ein wenig wärmer und dadurch etwas weniger zähflüssig als in anderen Gebieten". Die darüber liegende Erdkruste kann in solchen Gebieten ausdünnen, und es bildet sich ein tiefer Graben, an dessen Rand oft Vulkane ausbrechen. "Die Asche der jüngsten Eruptionen in den Hudson-Bergen im Bereich der Amundsen-See ist rund 2200 Jahre alt, britische Kollegen haben sie mit Radar-Messungen im Eis nachgewiesen", erklärt Gohl.

In diesen wärmeren und etwas weniger zähflüssigen Teilen des Erdmantels aber schließen sich auch Dellen rascher, die das Gewicht eines Eispanzers dort hinein gedrückt hat. "Während dieser Prozess in Skandinavien weit mehr als zehntausend Jahre andauert, passiert das Gleiche in der Westantarktis in einigen Jahrhunderten oder sogar in mehreren Jahrzehnten", erklärt Sasgen das schnelle Aufwölben rund um die Amundsen-See. Dieses rasche Zurückfedern könnte sogar die Folgen des Klimawandels in dieser Region beeinflussen.

Eisschmelze beschleunigt

Dort fließen die Gletscher nämlich ins Meer, verlieren im tiefen Wasser an der "Aufsetzlinie" den Kontakt mit dem Ozeanboden und schwimmen dann als Schelfeis auf dem Wasser. Seit Klimaveränderungen das Meerwasser in dieser Region ein wenig aufgewärmt haben, schmilzt das Schelfeis an der Unterseite schneller als früher und wird dabei dünner. Weil die schwindende Schelfeismasse den Gletschern an Land weniger Widerstand entgegensetzt, fließen diese rascher ins Meer, gleichzeitig wandert die Aufsetzlinie landwärts und weiteres Eis schwimmt auf. Da sich der Untergrund weiter landeinwärts senkt, beschleunigt sich diese Wanderung der Aufsetzlinie und damit die Eisschmelze immer weiter. Deshalb waren die Eisverluste in dieser Region in den vergangenen Jahren mit steigendem Trend besonders hoch. "Das rasche Heben des Untergrundes aber könnte das landwärts Wandern der Aufsetzlinie und damit auch das Abschmelzen der Eismassen dort bremsen", vermutet AWI-Forscher Ingo Sasgen.