Es ist nicht das Einzige, worauf die Dorfbewohner aufmerksam wurden. Zwar hatten sie gemerkt, dass die Trockenzeiten immer länger dauerten und dort, wo ihre Vorfahren noch Fische fanden, heute nur noch Leere herrscht. "Wir wussten, dass sich die Dinge verändert haben", berichtet die zweifache Mutter, "aber für uns war das mittlerweile normal. Erst als sie uns den Klimawandel erklärt hatten, machte alles Sinn. Jetzt schützen wir unseren Wald, um den Klimawandel aufzuhalten. Ich wünschte, andere würden das auch tun und nicht weiter abholzen."

Dass es für sie und die Bewohner der restlichen Dörfer die richtige Entscheidung war, davon ist nicht nur Waita überzeugt. Auch ihre Nachbarn, die sich anfangs über ihr Engagement für DBFCC lustig gemacht hatten, sehen mittlerweile das Potenzial des Projekts. "Wir hatten Glück, wir bleiben von Stürmen verschont", meint Waita sogar eine Bestätigung von ganz oben zu spüren: "Gottes Augen liegen auf dem Wald. Er sieht, dass wir ihn erhalten möchten - für eine bessere Zukunft unserer Kinder und der Kinder dieser Welt."

Willie Kenneth zeigt anhand einer Tafel, wo auf Vanuatu-Inseln gefischt werden darf - und wo nicht. - © Doris Neubauer
Willie Kenneth zeigt anhand einer Tafel, wo auf Vanuatu-Inseln gefischt werden darf - und wo nicht. - © Doris Neubauer

Nicht allen ist das Schicksal so gewogen wie Waita und den Bewohnern der Drawa-Region. Auf den beiden Nachbarinseln Nguna sowie Pele in Vanuatu machen sich die negativen Auswirkungen des Klimawandels seit Jahren bemerkbar. "In meiner Kindheit war das hier alles Land", erzählt Willie Kenneth und deutet aufs türkisfarbene Wasser unter uns, "der Meeresspiegel steigt stetig, und wir sehen viele Erosionen."

Sein Schwager, der das Motorboot Richtung Pele steuert, nickt bestätigend. Doch nicht nur Erosionen machen die klimatischen Veränderungen deutlich - Dürreperioden, gefolgt von heftigen Regenfällen und Überschwemmungen gefährden die Lebensgrundlage der rund 1500 Bewohner der Inseln, die von Landwirtschaft und Fischfang abhängig sind.

Der bisherige Höhe- oder vielmehr Tiefpunkt wurde am 14. März 2015 erreicht: Wirbelsturm Pam erschütterte einen Großteil der 83 Inseln Vanuatus und richtete Schäden in Millionenhöhe an. Auch Nguna und Pele nördlich von Vanuatus Hauptinsel Efate waren betroffen. "Am nächsten Tag bin ich zu meinen Korallenkäfigen getaucht, die ich 2013 gepflanzt hatte", erzählt Willie Kenneth, als wir in seinem Heimatdorf Worasiviu angelangt sind, "sie hatten den Wirbelsturm überlebt. Aber an der Grenze zum offenen Meer sind einige abgebrochene Stücke herumgetrieben. Wir haben heute noch einige Reste von Pam im Wasser. Bis sich alle Korallen erholen, dauert es eine Weile - aber die Korallenriffe kommen zurück."

Schon 1995 hatten die Chiefs von Pele und Nguna beschlossen, zum Wohl der Umwelt gemeinsame Sache zu machen: Zuerst beschränkte sich die Zusammenarbeit auf ein Verbot, die gefährdeten Wasserschildkröten zu töten. Bald darauf etablierten einige der Dorfgemeinschaften zum Schutz der restlichen Meerestiere No-Take-Reservate, sogenannte Tapu-Zonen, entlang der Küste. Um ihre Kräfte noch besser zu bündeln, schlossen sich die vier Chiefs von Piliura, Worearu, Unakap und Taloa kurze Zeit später in einem informellen Netzwerk zusammen.