"Die Augen aller Dorfbewohner sind aufs Meer gerichtet ..." - © Neubauer
"Die Augen aller Dorfbewohner sind aufs Meer gerichtet ..." - © Neubauer

Der Plan ging auf. Heute umfasst das "Nguna-Pele Marine and Land Protected Area Network" 16 indigene Communities, die sich für den Schutz ihrer Wälder und Riffe einsetzen. Ob Korallengarten, regelmäßige Strand-Aufräumaktionen oder der Bann bestimmter Fischereimethoden - welche Maßnahmen getroffen werden, das definieren die Chiefs und die jeweilige Dorfgemeinschaft. Für die Implementierung sowie das Management dieser Maßnahmen sind vor Ort "Local Champions" zuständig, die von der Bevölkerung gewählt werden.

Korallengärtner Willie Kenneth ist einer davon. Seitdem er 2003 zum ersten Mal mit einem Meeresbiologen, der als Peace-Corps-Volunteer auf Pele stationiert war, zusammengearbeitet hat, lässt ihn die Materie nicht mehr los. "In Worasiviu haben wir ein dreistufiges Meeresschutzgebiet errichtet", sagt er, springt auf und zeichnet eben jenes zum besseren Verständnis auf eine Tafel, "die traditionelle Tapu-Zone, in der der Chief zu bestimmten Anlässen das Fischereiverbot aufhebt, eine permanente No-Take-Konservierungszone und einen Bereich, in dem ohne Einschränkung gefischt werden darf."

Zumindest im eigenen Dorf trägt das Engagement des begeisterten Tauchers und Speerfischers Früchte: "Die Augen aller Dorfbewohner sind aufs Meer gerichtet", meint der schlaksige Mann mit dem grau melierten Bart auf die Frage, wer die Einhaltung der Richtlinien kontrolliere: "Es hat einige Jahre gedauert, bis wir sie davon überzeugt haben. Mittlerweile respektiert die Gemeinde aber die Regeln." Nicht uneigennützig, profitiert sie doch von einem gesunden Meer. "Die Ressourcen aus dem Ozean liefern uns als Küstengemeinde Nahrung und bringen zusätzliches Einkommen, wenn wir unsere Meerestiere auf dem Markt verkaufen", sagt Willie Kenneth, "außerdem ist es gut für den Tourismus, wenn Gäste in gesunden Riffen mit vielen Fischen schnorcheln können."

Noch haben nur wenige Gemeinden diese Vorteile erkannt, muss der zertifizierte Tauchlehrer, der nebenbei Bungalows an Gäste vermietet, zugeben. "Nur sechs unserer Communities haben konkrete Management-Pläne fürs Meer, alles steht und fällt mit Menschen, die sich in ihrem Dorf engagieren. Diese zu finden, das ist im Moment unsere größte Herausforderung." Einerseits ziehen immer mehr ni-Vanuatus, wie die Einwohner des Pazifikstaats genannt werden, zum Geldverdienen in die Hauptstadt Port Vila oder gar ins Ausland.

Andererseits muss man sich zeitaufwändiges, freiwilliges, sprich unentgeltliches Engagement erst einmal leisten können - buchstäblich. Um mehr Menschen und vor allem die Jugend zu motivieren, führen Willie Kenneth und andere Mitglieder des "Nguna-Pele Marine and Land Protected Area Networks" in unregelmäßigen Abständen Workshops durch, in denen sie bewährte Methoden des Meeresschutzes zeigen.

Gegen invasive Spezies

"Nach Pam haben wir den Küstengemeinden gezeigt, wie sie den invasiven Dornenkronenseestern von ihren Riffen entfernen", nennt der Mittvierziger ein Beispiel eines solchen Trainings. Schließlich sind die Erhöhung der Wassertemperatur, die zunehmende Versäuerung der Meere und andere Auswirkungen des Klimawandels nicht die einzigen Gefahren für dieses sensible Ökosystem. In Worasiviu hatte die Dorfgemeinschaft 2013 durch die invasive Spezies, die sich von Steinkorallen ernährt, 90 Prozent eben dieser verloren.