Wien. (gral) Glückshormone wie Dopamin oder Serotonin verleihen dem Menschen Höhenflüge. Und nicht nur das: Sie unterstützen auch in der Gesunderhaltung - genauer gesagt haben sie positiven Einfluss auf das Immunsystem. Dieses Wissen hat Forscher dazu veranlasst, den Prozess dahinter genau zu erkunden, um die positive Wirkung dieser Neurotransmitter auch in Therapien anwenden zu können.

Wissenschafter des Instituts für Molekulare Biotechnologie haben dabei Leiden wie Autoimmunerkrankungen, Allergien und Krebs ins Visier genommen. In ihrer Forschungsarbeit haben sie erkannt, dass ein wichtiger Baustein solcher Glückshormone - nämlich das sogenannte Tetrahydrobiopterin" (BH4) - Immunzellen im Körper aktiviert, die Krankheitserreger und Krebszellen, aber auch harmlose Gräserpollen und den eigenen Körper angreifen können. Darüber berichtet das Team um Josef Penninger in der aktuellen Ausgabe des Fachblatts "Nature".

Diese Immunzellen - sogenannte T-Zellen - patrouillieren durch den Körper und enttarnen Krankheitserreger oder entartete Zellen. Bei solchen Begegnungen werden die T-Zellen aktiviert, sie vervielfältigen sich und gehen in eine Art Angriffsmodus über, um Eindringlinge oder Krebszellen gezielt zu bekämpfen. Falsch aktivierte T-Zellen richten sich allerdings gegen körpereigene Zellen und verursachen damit Allergien oder Autoimmunerkrankungen.

Hemmen oder Aktivieren

BH4 kontrolliert das Wachstum von T-Zellen, den "Soldaten unseres Immunsystems", so die Forscher in einer Aussendung. In unserem Körper ist es an vielen Stoffwechselprozessen beteiligt.

Bei Autoimmunerkrankungen und Allergien, die zu den häufigsten ansteigenden Erkrankungen weltweit zählen, könne diese Entdeckung "enorm nützlich sein". "Wenn man BH4 hemmt, können wir den ständigen Angriffsmodus dieser autoaggressiven T-Zellen hemmen, damit sie kein gesundes Gewebe zerstören oder chronische Entzündungen hervorrufen", erklärt Erstautor Shane Cronin vom Imba. Gemeinsam mit Forschern aus den USA und aus Deutschland entwickelte er einen neuartigen Wirkstoff namens QM385, der BH4 hemmt, und die Immunzellen bei heftigen Überreaktionen zähmt. Erste klinische Tests stehen in Aussicht.

Gleichzeitig sei der Baustein auch ein wichtiger Kandidat für zukünftige Krebs-Immuntherapien. Bei der Immuntherapie wird mit bestimmten Molekülen das menschliche Abwehrsystem derart aktiviert, dass sich der Körper eigenständig gegen Krebszellen wehren kann. Die Forscher fanden nun bei Mäusen heraus, dass BH4 den T-Zellen hilft, den Tumor gezielt zu bekämpfen. Außerdem habe sich dabei herausgestellt, dass die Entstehung von BH4 mit einem bestimmten Molekül blockiert werden kann, welches das Immunsystem in Tumoren abschalten kann. Die Gabe von BH4 lässt die Abwehrzellen wieder wachsen.

Neuer Ansatzpunkt

Für Penninger ist es "faszinierend", dass ein ursprünglich aus der Neurobiologie bekanntes System eine Schlüsselrolle für die Immunabwehr bei T-Zellen einnehmen kann. Dieser Hormonbaustein sei ein vielversprechender neuer Ansatzpunkt im Kampf gegen diese Erkrankungen, betonen die Forscher. "Wenn man es schafft, Querverbindungen verschiedener biologischer Systeme im Körper zu finden, wie in diesem Fall dem Nervensystem und dem Immunsystem, kann man manchmal erstaunliche Entdeckungen machen", so Cronin.