Dass Selfies nicht ungefährlich sind, weiß man inzwischen. Erst vor einigen Tagen stürzte ein junges Paar im Yosemite National Park von einer Klippe in den Tod. Anderntags fanden Wanderer das verlassene Stativ mit der Kamera wenige Schritte vom Abgrund entfernt.

Das All India Institute of Medical Sciences im indischen Bhopal hat 259 Todesfälle beim Erstellen von Selfies im Zeitraum von Oktober 2011 bis November 2017 untersucht, um die Risiken herauszufinden. Die reale Zahl dürfte wesentlich höher liegen, denn die Forscher werteten nur Todesfälle aus, die sie über Google-Suchen fanden, - was eine entsprechende Berichterstattung voraussetzt. Sie sprechen denn auch von "der Spitze des Eisbergs".

Am gefährdetsten sind laut der Studie junge Männer (72,5%) mit Anfang 20 (Durchschnitt 22,94 Jahre). Die höchste Zahl an Unfällen ereignete sich in Indien, dahinter folgen Russland, die USA und Pakistan. An manchen Orten wurden bereits Schutzmaßnahmen ergriffen: In Mumbai hat das zur Einrichtung von urbanen "No-selfie-Zonen" geführt, auf dem Vulkan Merapi haben die Behörden einen sicheren Selfie-Platz gekennzeichnet.

Tödliche Fehler

Auswertung 1: Risiko und Geschlecht - © Samsung / Journal of Family Medicine and Primary Care
Auswertung 1: Risiko und Geschlecht - © Samsung / Journal of Family Medicine and Primary Care

Die Zahl der Fehlleistungen, die den Todesfällen vorausgingen ist groß. Nicht wenige qualifizieren die Verstorbenen für einen Darwin Award, die sarkastische Auszeichnung für Menschen, die aufgrund überdurchschnittlicher Dummheit gestorben sind - und deshalb ihre Gene nicht weitergeben können. In Russland posierten zwei Soldaten mit einer entsicherten scharfen Granate, die Sekunden nach dem Foto explodierte. Das Bild wurde auf dem Speicher der Kamera gefunden. Andere wurden von Zügen mitgerissen, weil sie zu knapp an den Schienen standen, ertranken als Nichtschwimmer in Gewässern, die tiefer als angenommen waren, gerieten in Stromkreise oder wurden von Tieren getötet.

Wenig überraschend: Die meisten Unfälle, bei denen Waffen im Spiel waren, passierten in den USA.

Auswertung 2: Todesursachen - © LG / Journal of Family Medicine and Primary Care
Auswertung 2: Todesursachen - © LG / Journal of Family Medicine and Primary Care

Nicht immer gab allerdings riskantes Verhalten den Ausschlag. Bei ruhiger See von einer plötzlichen Welle mitgerissen zu werden, ist ein Unfall, der mit und ohne Kamera passieren kann. Während bei den Frauen das Verhältnis zwischen Pech und Leichtsinn ausgewogen ist, beträgt es bei Männern 1 zu 3.

Wer aufpasst, muss allerdings nicht nervös sein, dass ihm etwas passiert - vom Gerede über die Eitelkeit von Menschen, die sich andauernd selbst aufnehmen abgesehen. Schon 2015 wurden 24 Milliarden Selfies auf Google Photo hochgeladen. Die Wahrscheinlichkeit zu sterben ist also gering. Es sei denn, man möchte eine entsicherte Handgranate auf dem Bild haben...

Quelle:
Die Studie wurde im Journal of Family Medicine and Primary Care (JFMPC) veröffentlicht und ist im Forschungsnetzwerk Researchgate kostenlos erhältlich.