Dort wiederum wird auch auf verbesserte Hygienemaßnahmen und vor allem auch auf vermehrte Aufklärung des medizinischen Personals gesetzt, um die Problematik in den Griff zu bekommen. In der Humanmedizin könnte der Antibiotikaeinsatz immerhin um ganze 50 Prozent reduziert werden, so Pittet.

Diese Größenordnung bestätigt auch Küenburg. In einem österreichischen Krankenhaus habe ein Expertenteam über ein Monat lang sämtliche Antibiotikagaben überprüft und in 60 Prozent der Fälle interveniert, schildert der Experte eine Untersuchung.

Aufklärung und Hygiene

Anzusetzen sei aber auch im Bereich der Pharmaindustrie. Das Arsenal an möglichen Substanzen wird immer kleiner. Reserveantibiotika werden gut verwahrt und kommen nur im Notfall zur Verwendung. Es besteht die Gefahr, dass auch diese über kurz oder lang keine wirksame Waffe mehr gegen multiresistente Keime darstellen könnten. Daher muss nach einer neuen Familie geforscht werden.

Die Unternehmen zeigen dabei allerdings nur wenig Interesse. Denn die Erforschung von Arzneimitteln ist teuer. An Antibiotika ist nicht viel zu verdienen. Sie sollen immerhin nicht flächendeckend eingesetzt werden, sondern so selten wie möglich. Und das Patent läuft auch schon nach 20 Jahren wieder aus.

Aber auch hier gibt es Überlegungen. Diese reichen von Forschungsprämien für Pharmafirmen bis hin zur Verlängerung von Patenten auf 50 oder gar 100 Jahre, skizziert Pittet.

Die billigste und vermutlich auch effizienteste Maßnahme generell seien in erster Linie die Aufklärung und die großflächige Umsetzung von Hygienemaßnahmen. Dieser hat sich der Semmelweis-Verein verschrieben. Obwohl Österreich weltweit vermutlich zu den Musterschülern zählt, sei auch hierzulande noch sehr viel zu tun.

Mit konsequenten Maßnahmen aller Beteiligten, seien auch in recht kurzen Zeitspannen schon Erfolge möglich, erklärt Pittet. In Ländern, in denen die Empfehlungen umgesetzt werden, sei bereits in drei bis fünf Jahren eine deutliche Wirkung zu sehen. Je kleiner die Einheit, umso schneller kommt man zum Erfolg. In einem Krankenhaus sei ein solcher bereits nach sechs bis zwölf Monaten zu erzielen. Handeln statt abwarten muss daher die Devise lauten.