Wien. In seinem Rollstuhl kommt Maximilian Pölzl um die Ecke geflitzt. Schnell und wendig ist er unterwegs. Vor sechs Jahren hatte ein Unfall dazu geführt, dass er sich nicht mehr auf seinen eigenen Beinen fortbewegen kann. Seit der Diagnose Querschnittslähmung hat sein Leben, wie das vieler anderer Menschen auch, diese dramatische Wendung erfahren. Die Forschung lässt kaum etwas unversucht, um Gelähmten das Gehen wieder ermöglichen zu können. Mit Schnelligkeit und Wendigkeit haben die bisherigen Entwicklungen noch nichts zu tun, doch können heute Schritte erzielt werden, die Menschen wie Maximilian Pölzl sowohl psychisch als auch physisch Auftrieb verschaffen.

Der Student Maximilian Pölzl geht - unterstützt durch seinen Therapeuten. - © tech2people
Der Student Maximilian Pölzl geht - unterstützt durch seinen Therapeuten. - © tech2people

Das Exoskelett ist eine jener technischen Errungenschaften, die großes Potenzial in sich trägt. Dabei handelt es sich um einen batteriebetriebenen, bionischen Anzug, der mit seinen elektrischen Motoren Schritte erzeugt. Damit ist es nicht nur möglich, annähernd natürliche Bewegungsmuster zu initiieren, sondern auch therapeutisch effektiv zu arbeiten, schilderte tech2people-Gründer Gregor Demblin zuletzt bei der Präsentation der Apparatur in Wien.

Sich so groß fühlen, wie man ist

"Ich fühle mich fitter, gesünder, motivierter, kreativer und meine Körperfunktionen profitieren davon", betonte der Start-up-Chef, der selbst aufgrund eines Unfalls seit 20 Jahren querschnittsgelähmt ist. Das erste österreichische ambulante Therapieprogramm mit einem Exoskelett, das seit vergangener Woche im Ordinationszentrum der Privatklinik Döbling angeboten wird, fußt auf seiner Initiative.

Die Bewegung auf zwei Beinen ist förderlich für Geist und Gesundheit, betonte der Wiener Internist Siegfried Meryn von der Medizinischen Universität Wien. Mit Seinesgleichen wieder auf Augenhöhe zu kommunizieren, verschafft Glücksgefühle und gibt Sicherheit und Selbstvertrauen. "Aufstehen und sich so groß zu fühlen, wie man ist, stärkt die Psyche immens", skizzierte der Student Pölzl.

Dem Körper bringe die Bewegung große Vorteile. Die Herz-Kreislauf-, Stoffwechsel- und Gefäßfunktionen werden dabei "dramatisch verbessert", erklärte Meryn. Auch die Knochenstruktur werde dadurch positiv beeinflusst, denn der Knochenabbau sei ein typisches Symptom bei Menschen mit Lähmung und beeinträchtigter Gehfähigkeit. Zudem verbessere die maschinelle Therapie die Muskelfunktionen, das Gleichgewicht, die Atmung und auch die Sexualfunktionen.