Wien. (apa/est) Liebe, Freude, Schadenfreude oder Neid: Gefühle haben Auswirkungen auf das Kommunikationsverhalten. Das belegen zahlreiche Studien aus Psychologie und Soziologie. Ein Positiv-Beispiel sind verliebte Menschen, die auf einmal auch freundlich zu allen anderen Menschen sind, die sie antreffen. Zu den Negativ-Beispielen zählen Mobbing durch Psychoterror, die Emotionalisierung von Wählern mit populistischen Aussagen oder die Verbreitung von Fake News in Sozialen Medien, die teilweise aggressiv dargebracht und mit unreflektierten Äußerungen quittiert werden.

Ein anderes Bild als jenes der digitalen Meinungskloake zeichnen Analysen von Wiener Forschern über Diskussionen auf Social-Media-Plattformen. Sie prüften die Meldungsinhalte mit Methoden der rechnergestützten Sozialwissenschaft und fanden dort überraschend viel Anteilnahme angesichts von Katastrophen oder Todesfällen. Allerdings mischen in manchen Online-Auseinandersetzungen mittlerweile automatische Social Bots mit, die die Meinung mitunter gezielt lenken, berichtet das Team des Instituts für Wirtschaftsinformatik und Neue Medien der Wirtschaftsuniversität Wien.

Naturkatastrophen lösen Empathie und Sorge aus

In Sozialen Medien senden Computerprogramme automatische Antworten. Bei Twitter etwa reagieren diese Social Bots auf spezifische Schlagwörter oder Diskussionsthemen und setzen zuvor programmierte Informationen ab. Dazu werden realistisch wirkende Accounts mit Profilbild, Posts und Followern geschaffen, die Nutzern folgen, um Werbung zu verbreiten oder Mehrheiten vorzutäuschen.

Noch keine Rolle spielten die Social Bots beim überlangen und polarisierenden österreichischen Präsidentschaftswahlkampf 2016. Über lediglich zwei Bots stolperte das Team um Ema Kusen und Mark Strembeck bei seiner Analyse der Twitter-Diskussionen rund um die Auseinandersetzung zwischen dem ehemaligen Grünen-Chef Alexander Van der Bellen und dem nunmehrigen FPÖ-Verkehrsminister Norbert Hofer.

Neben dem Befund, dass der spätere Wahlsieger auf Twitter deutlich mehr Popularität und Einfluss hatte, kamen die Forscher auch zu dem Schluss, dass über den Account von Van der Bellen eher gefühlsmäßig neutrale Botschaften verschickt wurden, während aufseiten Hofers mit deutlich mehr Emotion gearbeitet wurde. Für beide Unterstützergruppen galt, dass sie relativ "unfreundlich" auf Anhänger des anderen Kandidaten reagierten, betont Strembeck.

Diskussionen kapern und für eigene Zwecke vereinnahmen

Den Emotionsgehalt von Beiträgen schätzten die Forscher, die sich bereits in mehreren Studien mit Fragen zu Emotionen auf Social Media beschäftigt haben, mit dem psychologischen Forschungsinstrument des Word-Emotion-Lexicon. Dabei wird eine Liste von Wörtern mit den acht Grundgefühlen Wut, Angst, Vertrauen, Überraschung, Trauer, Liebe, Freude und Abscheu in Verbindung gebracht. Um den Ansatz zu erweitern, ließen die Forscher die Versuchspersonen den Emotionsgehalt von Postings in Facebook oder Twitter einschätzen.