Es zeigte sich, dass Van-der-Bellen-Sympathisanten unbeabsichtigt eine tragende Rolle bei der Verbreitung von Falschmeldungen spielten, weil sie Fake News, die Van der Bellen mit Russland in Verbindung brachten oder eine Krebserkrankung unterstellten, richtigzustellen versuchten. "Dadurch haben diese Nachrichten Empfänger erreicht, bei denen sie sonst nicht angekommen wären", sagt Strembeck.

Anders als beim österreichischen Präsidentschaftswahlkampf mischten Social Bots im US-Wahlkampf, der 2016 mit dem Sieg von Donald Trump endete, oder beim Brexit-Referendum im Frühjahr 2017 schon ein gutes Stück weit mit. Auf Social Media versendeten sie oftmals eine Unzahl an Nachrichten, Postings und Kommentaren. Mit eigenen Programmen lassen sich die digitalen Manipulatoren mittlerweile zwar gut identifizieren, jedoch erhalten die Detektiv-Programme nicht immer Auskunft über die Bot-Betreiber.

Positive Emotionen als Gegenmittel gegen Negativität

Die Wiener Forscher konnten zeigen, dass die kleinen Computerprogramme im US-Wahlkampf unter anderem immer wieder dazu eingesetzt wurden, um Diskussionen umzulenken. "Während der US-Präsidschaftswahl haben Social Bots tatsächlich versucht, thematisch fremde Diskussionen - wie solche, wo einander Menschen ein schönes Thanksgiving wünschten - etwa mit Pro-Trump-Nachrichten zu kapern", sagt Strembeck.

In einer weiteren Studie analysierte das Team die Social-Media-Kommunikation rund um Ereignisse, die entweder gefühlsmäßig positiv oder negativ besetzt waren, oder die polarisierend wirken. Zur Überraschung der Forscher gab es angesichts von Naturkatastrophen oder der massiven Bombenangriffe auf die syrische Stadt Aleppo "sehr viele positive Emotionen in den Sozialen Medien, die vor allem Empathie und Sorge ausdrückten", sagte Strembeck. Der Anteil an Schadenfreude und Häme hielt sich angesichts solcher Ereignisse in sehr engen Grenzen.

Die Forscher sehen darin eine Bestätigung für die "Undoing Hypothese", die besagt, dass in diesem Zusammenhang versucht wird, positive Emotionen sozusagen als "Gegenmittel" gegen negative Emotionen einzusetzen. Hier habe man erstmals "in größerem Maßstab" einen Beleg für diese These gefunden, erklärt der Wissenschafter.