Justiz soll He Jiankui zur Rechenschaft ziehen. - © afp/Anthony Wallace
Justiz soll He Jiankui zur Rechenschaft ziehen. - © afp/Anthony Wallace

Peking. (dpa/afp) He Jiankui, der nach der Geburt der ersten genveränderten Menschenbabys weltweit in die Schlagzeilen geratene chinesische Wissenschafter, hat offenbar ein weiteres genetisch verändertes Baby kreiert. Nach Ermittlungen einer chinesischen Provinzregierung wurde eine zweite Frau durch einen Eingriff von He schwanger, berichtete die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua am Montag. Das Kind sei noch nicht auf der Welt.

Die werdende Mutter kommt laut dem Bericht ebenso wie die im November geborenen Zwillingsmädchen unter ärztliche Aufsicht. He hatte bereits bei einem Medizinkongress in Hongkong im November angekündigt, dass eine "zweite potenzielle Schwangerschaft" bestehe. Der mittlerweile beurlaubte Universitätsprofessor hatte bei seinen Experimenten die DNA der Babys nach eigenen Angaben so verändert, dass die Kinder vor einer HIV-Infektion geschützt sein sollen. Insgesamt acht Paare hätten sich an den Studien beteiligt, wobei die Väter HIV-positiv und die Mütter HIV-negativ gewesen seien. Die Provinzregierung beschuldigte He, dieser habe "ethische Prüfpapiere gefälscht" und "vorsätzlich die Überwachung umgangen", berichtet Xinhua. Der Wissenschafter habe "privat" ein internationales Projektteam organisiert und eine "Technologie mit ungewisser Sicherheit und Effektivität" eingesetzt. Nach Angaben der Ermittler hatte er es auf "persönlichen Ruhm" abgesehen. Dafür habe er sich auch selbst um die Finanzierung seines Vorhabens gekümmert.

Der Forscher handelte nach Angaben der chinesischen Regierung allein und illegal. He habe mit seiner Arbeit gegen das Gesetz verstoßen. Er werde von der chinesischen Justiz zur Rechenschaft gezogen, schreibt Xinhua. Der Fall werde den "öffentlichen Sicherheitsbehörden" übergeben.

Die im November geborenen Babys mit den Pseudonymen "Lulu" und "Nana" waren laut He durch künstliche Befruchtung gezeugt worden, wobei das Crispr/Cas9-Gentechnikverfahren zur Erbgutveränderung, auch "Genschere" genannt, zum Einsatz kam. International stieß die Ankündigung auf Zweifel und scharfe Kritik.