Weltraummüll in der Umlaufbahn über dem Äquator. - © ESA
Weltraummüll in der Umlaufbahn über dem Äquator. - © ESA

Darmstadt. (gral/apa) Rund 1500 bis 1600 Satelliten umkreisen zurzeit die Erde in ihrer Umlaufbahn. Schon in den nächsten Jahren dürften weitere hinzukommen. Die Experten sprechen dabei von "mehreren tausend Objekten". Die globale Internetstruktur macht dies nötig. Doch mit zunehmender Dichte steige die Gefahr von Kollisionen. Und Satelliten sind nicht die einzigen Gegenstände, die sich im All tummeln. Hinzu kommen Schrott aus früheren Zusammenstößen sowie Meteoriten, Kometen oder Asteroiden.

Die Fragmente bedrohen die aktiven Sendeanlagen, die vorwiegend Wetterdaten zur Verfügung stellen und die Navigation auf der Erde gewährleisten. Gefahr für das Leben auf der Erde geht von den herannahenden Himmelskörpern aus. Mehr als 800 Asteroiden könnten in den nächsten Jahren die Erde treffen, heißt es seitens der Europäischen Raumfahrt Agentur (ESA). Auf einer Konferenz diskutieren Experten derzeit, wie man diesen Risiken begegnet.

Mehr als 17.000 Einzelteile

"Die Weltraumumgebung weist zahlreiche natürliche und menschengemachte Bedrohungen auf, die ein Risiko für Leben und Eigentum darstellen und Infrastrukturen in der Umlaufbahn und auf der Erde beeinträchtigen können", heißt es bei der ESA. Der letzte große Treffer liegt noch gar nicht so lange zurück. 2013 explodierte über der russischen Stadt Tscheljabinsk ein Asteroid mit einem Durchmesser von 20 Metern. "So etwas trifft alle 30 bis 40 Jahre ein, nicht so häufig. Aber Objekte mit einem Durchmesser von bis zu zehn Metern, die können wir fast jedes Jahr erwarten", betont ESA-Mitarbeiter Rüdiger Jehn gegenüber dem Bayerischen Rundfunk "BR24". Die Raumfahrtnationen bereiten deswegen Ablenkungsmanöver vor.

Erst vor wenigen Tagen hatte der Leiter des Raumflugkontrollzentrums (Esoc), Rolf Densing, angekündigt, das Programm zur Abwehr gefährlicher Objekte aus dem All ausbauen zu wollen. 200 Millionen Euro sollen dazu jährlich zusätzlich beantragt werden. Ein Thema der Konferenz ist auch, wie sich abgewrackte Satelliten einfangen ließen. Intakte Satelliten oder Sonden könnten Trümmerteilen nur entkommen, wenn Techniker fortlaufend den Weg der Fragmente im Blick haben. Wie dies effizient funktionieren kann, soll dieser Tage besprochen werden. So soll es auch darum gehen, wie sich das Umfeld der Erde möglichst kostengünstig und effektiv mit neuen Teleskopen und Sensoren überwachen lasse.

Vielversprechend sei in diesem Zusammenhang etwa ein Teleskop, das in Italien gebaut wurde und in diesem Jahr getestet werden soll. "Wenn alles klappt, dann würde das Europa mit den USA auf Augenhöhe bringen", betont Tim Flohrer, ESA-Experte für die Beobachtung und Katalogisierung von Weltraumobjekten. Aktuell sei man "zu 90 Prozent" auf Daten der US-Amerikaner angewiesen. Im Idealfall werde sich die Beobachtung und Entdeckung von Himmelskörpern so ähnlich wie eine Wetterwarnung gestalten lassen. "Wir gehen davon aus, dass wir durch eine ständige und umfassende Beobachtung gefährliche Überraschungen verhindern können", so Flohrer.

Neben den Satelliten und Asteroiden wird es auch um Weltraumschrott gehen. Viele abgewrackte Teile fliegen um die Erde. Mehr als 17.000 Einzelfragmente sind bekannt. Ständig müssen intakte Satelliten diesen Teilen ausweichen. "Wenn wir heute keine Gegenmaßnahmen ergreifen, ist dieses Problem in zehn bis 20 Jahren nicht mehr zu lösen", so Jehn.

Im Jahr 2022 starten die Amerikaner mit einer Sonde zu dem Asteroiden Didymos. Diese soll den Gesteinsbrocken treffen und damit seine Bahn verändern. Damit sollen Techniken und Technologien für eine Asteroidenabwehr erprobt werden - ein erster direkter Test für den Fall einer herannahenden Gefahr für die Erde.