Enno Park, 45, ist Informatiker, Technikphilosoph und Vorsitzender von Cyborgs e.V., einem Verein, der sich der "Förderung und kritischen Begleitung der Verschmelzung von Mensch und Technik" widmet. Im Interview spricht er über Cyborgs in Deutschland, Verschwörungstheoretiker und die Liebe zu Maschinen.

"Wiener Zeitung": Herr Park, Sie sehen nicht gerade so aus, wie man sich einen Cyborg vorstellt, bezeichnen sich aber als solcher. Warum?

Enno Park: Wie stellen Sie sich denn einen Cyborg vor?

Enno Park, Technikphilosoph und Informatiker. - © Jakob Weber
Enno Park, Technikphilosoph und Informatiker. - © Jakob Weber

Groß, stark, gefährlich und mit Superkräften. So wie den Terminator, den Robocop oder die Borgs aus "Star Trek".

Die Wahrnehmung von Cyborgs ist tatsächlich stark durch Hollywood geprägt. Aber ein Cyborg ist einfach ein Mensch, der technisch modifiziert wurde, ein kybernetischer Organismus.

Und warum sind Sie ein Cyborg?

Ich war fast taub. Vor sieben Jahren habe ich mir zwei Cochlea-Implantate in den Kopf einsetzen lassen. Sie verbinden einen Sound-Prozessor mit dem Hörnerv. Seitdem kann ich wieder hören. Auch wenn ich dank des Implantates Dinge kann, die andere nicht können - zum Beispiel das Gerät ausschalten, wenn ich meine Ruhe haben will -, ist man von der implantierten Technik abhängig und bleibt wegen ihrer Einschränkungen in manchen Situationen auch gehörbehindert.

Was macht Sie neben dem Hörimplantat noch zum Cyborg?

Ich habe mir in die linke Hand zwischen Daumen und Zeigefinger einen "Near-Field Communication"- oder kurz NFC-Chip implantieren lassen.

Was kann man mit dem implantierten Chip machen?

In Deutschland nicht allzu viel. Dafür fehlt hier - noch - die Infrastruktur. In Schweden sieht das ganz anders aus. Dort könnte ich mir zum Beispiel meine Zugfahrkarten auf den reiskorngroßen Chip laden. Schwedische Schaffner haben ein spezielles Gerät, mit dem sie die Informationen auslesen können. In einigen Ecken von Stockholm kann man mit dem Chip auch Bürotüren öffnen, wenn man die entsprechende Autorisierung auf dem Chip hat, sich im Fitness-Studio ausweisen oder einen Kaffee bestellen.

Und was können Sie mit Ihrem Chip anstellen?

Ich kann damit mein Telefon entsperren, aber das ist ehrlich gesagt ziemlich unpraktisch, weil ich dafür beide Hände benötige. Ich habe auf dem Chip eine digitale Visitenkarte gespeichert. Wer sein Telefon ganz nah an meine Hand hält, kann die Daten gleich in seinem Handy speichern.

Haben Sie vor, Ihren Körper mit weiteren Implantaten zu tunen?

Die Bereitschaft besteht auf jeden Fall, aber natürlich nur, wenn es medizinisch vertretbar ist und Sinn ergibt. Die meisten technischen Probleme lassen sich allerdings viel leichter außerhalb des Körpers oder mit Wearables wie Fitnessarmbändern lösen.