Wien. Trotz der vielen - auch bahnbrechenden - Fortschritte in der Tumormedizin in den vergangenen 25 Jahren bleibt Krebs stark mit dem Gefühl der Angst verhaftet. Kaum eine andere Krankheit wird innerhalb der Bevölkerung dermaßen gefürchtet. Das Thema Krebs ist aus dem Alltag auch nicht mehr wegzudenken. Heutzutage leben mehr Menschen als je zuvor mit Tumorerkrankungen beziehungsweise deren Folgen. Jeder fünfte Mann und jede sechste Frau sind während ihres Lebens damit konfrontiert. Die Tendenz ist steigend. Dennoch können heute mit modernen Therapien mehr Menschen geheilt werden. Bei fortgeschrittenen Erkrankungen gelingt es immer häufiger, diese unter Kontrolle zu bringen. Krebs ist damit in vielen Bereichen zur chronischen Erkrankung geworden, berichten Experten regelmäßig. Die Früherkennung spielt in dem Prozess eine wichtige Rolle.

Mediziner machen sich neuerdings auch Gedanken darüber, wie sie dem Krebs an sich den Schrecken nehmen können. "Sollten wir Erkrankungen mit geringem Risiko umbenennen, um die Angst vor unnötigen Untersuchungen und Therapien zu reduzieren?", stellten sich jüngst Experten im "British Medical Journal" (BMJ) die Frage.

Verunsicherung und Angst

Krebs ist ein starkes Wort. Egal, wie sensibel ein Arzt seinen Patienten im Gespräch daran heranführt. Allein die Benennung sorgt für Verunsicherung und Angst. "Die klinische Definition beschreibt die Erkrankung als eine, die - unbehandelt - unbarmherzig wächst, sich in anderen Organen ausbreitet und ihren Wirt tötet", so Laura Esserman vom Carol Franc Buck Breast Care Center in San Francisco im "BMJ". Doch die Bandbreite der auftretenden Stadien sei groß. Sie reiche von nahezu harmlosen bis hin zu hoch risikoreichen Tumoren, die unbehandelt innerhalb kürzester Zeit tatsächlich zum frühzeitigen Tod führen.

Doch immerhin seien viele Tumore unter die Kategorie "low risk cancer" einzustufen, so Esserman. In Fällen wie diesen sollte, so die Forscherin, der aktiven Überwachung der Vorzug gegeben werden. "Doch es ist schwierig, Patienten dazu zu ermutigen, abzuwarten und zu beobachten, wenn ihnen einmal gesagt wurde, dass sie Krebs haben." Ihr Kollege Murali Varma vom University Hospital of Wales in Cardiff wiederum glaubt, dass eine Umbenennung für Verwirrung sorgen könnte. Aufklärung über das Wesen der Krebserkrankung müsse deshalb einen hohen Stellenwert einnehmen.

Aufklärung rücken die Experten zumindest einmal im Jahr besonders in den Fokus - nämlich zum Weltkrebstag am 4. Februar. Die Krebstherapie im Jahr 2019 bietet individualisierte, personalisierte und zielgerichtete Behandlungsstrategien, skizzierte Christoph Zielinski, Wissenschaftlicher Leiter des Vienna Cancer Center, im Rahmen einer Pressekonferenz. Zudem hätten die Forschungen "zu einem völlig neuen Verständnis über die Mechanismen der Krebsentstehung geführt.