Chicago. (gral) Ob in der Forschung oder in der Geschäftswelt: Große Probleme benötigen für ihre Lösung große Teams, heißt es üblicherweise. Dass dem nicht so ist, sondern das Gegenteil der Fall ist, haben nun Forscher der University of Chicago in einer Studie zu Papier gebracht. Eine Analyse von 65 Millionen Studien, Patenten und Software-Projekten hat gezeigt, dass kleinere Teams revolutionärere und innovativere Forschung hervorbringen.

Die Forscher um James Evans haben auf insgesamt 60 Jahre zurückgeblickt. Sie fanden heraus, dass kleinere Teams viel mehr neue Ideen für Wissenschaft und Technologie entwickelten, während größere Teams wesentlich häufiger den Status quo beleuchteten und schon existierendes Wissen zusammenfassten. Obwohl beide Ansätze für den wissenschaftlichen Prozess wichtig seien, lassen die Erkenntnisse vermuten, dass die Forschungspolitik umdenken müsse, so die Forscher im Fachblatt "Nature".

Fehler in Kauf nehmen

"Große Teams sind konservativer. Ihre Produkte sind wie Blockbuster-Sequels - rückblickend und risikoarm", betont Evans in der Publikation. Die Analyse zeige aber auch, dass beide Teile eine wichtige Rolle im wissenschaftlichen Ökosystem spielen. Manche Experimente, etwa der nach Dunkler Energie suchende Large Hadron Collider des Schweizer Kernforschungszentrums Cern, seien so teuer, dass sie nur in einer riesigen Gemeinschaftsarbeit vollbracht werden können, betont der Forscher. Andere komplexe Fragestellungen wiederum könnten besser gelöst werden, wenn unabhängige, risikofreudige, kleine Teams daran arbeiten, so die Autoren. Fehler müssten dabei in Kauf genommen werden, die Nadel im Heuhaufen könne nicht immer gefunden werden. Es ginge auch darum, fehlerhafte Prozesse zu verändern. "Wenn du etwas entdecken willst, musst du spielen", betont Evans.