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Boston/Wien. (gral) In der ersten Woche im Leben eines Neugeborenen kommt es zu rasanten biologischen Veränderungen. Plötzlich außerhalb des schützenden Mutterleibs ist das Baby mit neuen Bakterien, Viren und vielen weiteren Einflüssen konfrontiert. Über diese frühen Entwicklungen ist bisher allerdings sehr wenig bekannt. Ein internationales Forscherteam des Boston Children’s Hospital hat nun eine Technik entwickelt, die es ermöglicht, solche Veränderungen aus nur einigen wenigen Tropfen Blut herauszulesen.

Bessere Impfstoffe

Einmal auf die Welt gekommen, ist der Organismus gefordert. Es kommt zu molekularen Neuerungen, Gene schalten und walten entsprechend den Anforderungen, Proteine werden gebildet und der Stoffwechsel kommt in Gang. Daten darüber können nun ausgelesen werden. Die mit dem Test gewonnenen Informationen sind hilfreich, um die Vorgänge bei Neugeborenen besser verstehen zu können, und bilden die Basis für weitere Forschungen, schreiben die Wissenschafter in der Publikation. So könnte etwa auch der Einfluss von Impfungen auf deren Gesundheit untersucht werden.

"Die meisten Infektionen treten weltweit vor allem in der Frühphase des Lebens auf", betont Studienautor Ofer Levy vom Boston Children’s Hospital. "Neugeborene sind besonders anfällig dafür und haben im Fall der Fälle die schlechtesten Chancen." Die Arbeit bietet einen wertvollen Einblick, so der Kinderarzt. Sie bildet eine Grundlage und kann dazu beitragen, Auswirkungen von medizinischen Interventionen sowie den Einfluss von Ernährung, Krankheit und auch der mütterlichen Gesundheit zu messen.

Levy hat vor allem das Thema Immunisierungen im Visier. Die Reaktion von Neugeborenen auf Impfungen sei anders als jene von älteren Menschen. Um Vakzine optimal einsetzen zu können, müsse noch viel gelernt werden, so der Mediziner. Heute werden die meisten Impfstoffe nach dem Prinzip "trial and error" entwickelt. Wir wollen einen molekularen Einblick erhalten, um bessere Vakzine entwickeln zu können.