Wien/Krems. Neues zur Besiedlungsgeschichte der Iberischen Halbinsel zeigen zwei Studien mit österreichischer Beteiligung.

13.000 Jahre zurück in die Vergangenheit Spaniens und Portugals blickte ein Team des Max-Planck-Instituts für Menschheitsgeschichte in Leipzig und der Donau-Universität Krems. Es wertete Analysen der DNA-Überreste von Menschen aus Jäger- und Sammlergesellschaften sowie von Bauern der Jungsteinzeit neu aus.

Bisher ging man davon aus, dass nach dem Höhepunkt der letzten Eiszeit Nachkommen der Villabruna-Gruppe, die aus dem Mittleren Osten stammte, in Mittel- und Westeuropa die Magdalenien-Kultur ersetzten. Zur Überraschung der Forscher weisen die neuen Analysen das Erbgut beider Gruppen in den Überresten von der Iberischen Halbinsel nach. Die Magdalenien-Linie habe sich während der maximalen Vergletscherung in Gebiete in Spanien und Portugal zurückgezogen, berichtet das Team in "Current Biology".

Basken, ein eiszeitliches Volk

Die andere, in "Science" veröffentlichte Gen-Analyse zeigt, was danach passierte. Die Arbeit der Harvard Medical School und der Uni Wien beruht auf Erbgut-Analysen von 271 Menschen vor 8000 bis 400 Jahren auf der Iberischen Halbinsel. Vor rund 4000 Jahren durchlief die Region demnach eine dramatische Veränderung Es sei davon auszugehen, dass im Lauf der Zeit nahezu alle männlichen Bewohner der Region von Männern ersetzt wurden, die aus Steppengebieten der heutigen Ukraine und Russlands stammten und über Zentraleuropa einwanderten.

Spuren der Steppenbewohner fanden sich auch im Baskenland im Norden Spaniens, dessen Sprache mit keiner anderen verwandt ist. Selbst genetische Einflüsse aus der Römerzeit finden sich hier nicht. Die Basken scheinen am ehesten mit der "typischen iberischen eiszeitlichen Gesellschaft" vergleichbar zu sein, heißt es.