Berlin. (afp) Letztgeborene sind weder risikobereiter noch draufgängerischer als ihre älteren Geschwister. Zu diesem Schluss kommt ein Forscherteam nach drei umfangreichen Datenanalysen, die keinen Zusammenhang zwischen Geburtenreihenfolge und individueller Risikobereitschaft zeigen.

?Die These, dass die Dynamik in der Familie, die wiederum durch die Geburtsreihenfolge geprägt sein könnte, die Risikobereitschaft beeinflusst, scheint auf den ersten Blick durchaus intuitiv und plausibel?, erklärt Studienautor Ralph Hertwig vom Max-Planck-Institut für Bildungsforschung. Sie wurde lange kontrovers in der Psychologie diskutiert.

Entdecker und Revolutionäre

Bei der Suche nach den Gründen, warum Menschen politische oder wissenschaftliche Revolutionäre werden, hatte der Wissenschaftshistoriker und Darwin-Experten Frank Sulloway in den 1990er Jahren entdeckt, dass es unter diesen statistisch gesehen mehr Letztgeborene gibt. Seinem Modell der Familiendynamik können sich Erstgeborene der privilegierten Aufmerksamkeit der Eltern sicher sein, wohingegen jüngere Geschwister sich erst eine familiäre Nische erkämpfen und dafür Risiken eingehen müssten, was ihre Persönlichkeit präge.

Die Max Planck-Forscher werteten Daten des Sozio-oekonomischen Panel (SOEP) in Deutschland und des Basel-Berlin Risk Study aus, bei der sich Erwachsene experimentellen Verhaltenstests und einer Selbsteinschätzung unterzogen. Zudem recherchierten sie die Geburtsreihenfolge von 200 historischen Entdeckern und Revolutionären. Sie fanden ?keine statistischen Auffälligkeiten?, so Erstautor Tomas Lejarraga. Auch die Erstgeborenen Martin Luther, Christoph Kolumbus und die britische Abenteurerin Mary Kingsley zeigen, dass es wohl andere Faktoren geben muss, die dazu führen, dass Menschen sich für ein risikoreiches Leben entscheiden.