Klosterneuburg. Die weißen Blutkörperchen (Leukozyten) sind die mobile Einsatztruppe des Immunsystems, die stündlich insgesamt 100.000 Kilometer im menschlichen Körper zurücklegt. Die nötige Geschwindigkeit erreichen sie, indem sie den Zellkern als dickste Stelle voranschieben und stets den Weg des geringsten Widerstands wählen, berichten Wissenschafter des Institute of Science and Technology (IST) Austria in Klosterneuburg im Fachmagazin "Nature".

Auf der Patrouille durch den Körper und zu Einsatzorten, wo etwa Krankheitserreger eingedrungen sind, müssen sich die Leukozyten einen Weg durch ein dreidimensionales Labyrinth bahnen. Dort tummeln sich andere Zellen, Stützelemente und extrazelluläre Matrix. Ein Team um Michael Sixt bastelte einen Hindernisparcours aus künstlichem Gewebe und lockte die Leukozyten mit richtungsweisenden (chemotaktischen) Reizen hindurch.

Zwei Millionen Kilometer

Die Forscher konnten beobachten, dass sich der Zellkern als klobigste Stelle nacheinander in verschiedene, benachbarte Poren schiebt und deren Durchmesser sondiert. Dabei entschieden sich die Zellen immer für die größte Porenweite und wählten somit den Weg des geringsten Widerstands.

Diese Art der Fortbewegung macht Leukozyten 100 Mal schneller als andere Zellen - nämlich die sogenannten Fibroblasten im embryonalen Bindegewebe, die nicht den besten Weg taxieren, sondern sich durch den Körper fressen, indem sie das vor sich liegende Gewebe verdauen. Dies könnte sich der Körper bei den weißen Blutkörperchen aber wohl kaum leisten, denn bei deren Bewegungsdrang würden sie so jeden Tag Schneisen der Verwüstung mit einer Gesamtlänge von über zwei Millionen Kilometern durch den Körper ziehen, so die Forscher.