Berlin. Was gestern noch in aller Munde war, ist heute schon vergessen. Die Zeitspanne, in der die Gesellschaft ihre Aufmerksamkeit einem Thema widmet, wird immer kürzer, wie ein internationales Forscherteam herausgefunden hat, das die "soziale Beschleunigung" getrieben durch die sozialen Medien untersucht hat.

Vielfach war schon davor gewarnt worden, dass die ständigen Eilmeldungen, Push-Benachrichtigungen sowie die Angst, etwas zu verpassen, zu einer solchen sozialen Beschleunigung führen können, heißt es in einer Aussendung des an der Studie beteiligten Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung (MPIB) in Berlin. Gemeinsam mit Kollegen der Technischen Uni Berlin, des University College Cork und der Technical University of Denmark haben sie in "Nature Communications" ihre Analyse publiziert.

Die Daten zeigen, "dass die Dauer, in der die Öffentlichkeit Interesse an Themen und Inhalten zeigt, kürzer wird. Gleichzeitig springt das Interesse immer schneller von einem Thema zum nächsten", erklärt Studienautor Philipp Lorenz-Spreen vom MPIB.

Die Forscher haben Medien analysiert und untersucht, wie lange ein Thema, Hashtag oder bestimmter Film besonders beliebt waren. Die Daten stammen aus Büchern der letzten 100 Jahre, aus Kinokartenverkäufen der letzten 40 Jahre, aus Wissenschaftspublikationen der letzten 25 Jahre sowie Twitter, Google Trends, Reddit und Wikipedia aus der jüngeren Vergangenheit. Der Effekt ließe sich auch in der Offline-Welt beobachten. Der Grund: Wenn immer mehr Themen ein Stück von der Aufmerksamkeit haben wollen, bleibt für ein einzelnes Thema wenig übrig.