Frisches regionales Gemüse, Obst und Kräuter sind das Um und Auf einer gesunden Ernährung. - © APA/HANS PUNZ
Frisches regionales Gemüse, Obst und Kräuter sind das Um und Auf einer gesunden Ernährung. - © APA/HANS PUNZ

"Gesunde Ernährung hat nichts mit Disziplin zu tun!"

Eine der wichtigsten Voraussetzungen für eine gesunde Ernährung ist, dass in einem Haushalt regelmäßig gekocht wird. Dabei gilt: Die Mahlzeiten sollten möglichst frisch und aus möglichst naturbelassenen Lebensmitteln zubereitet werden. In Österreich wird traditionell in der Früh kalt, zu Mittag warm und am Abend wieder kalt gegessen. Diese Tradition wird dann zum Problem, wenn sich die selbst zubereitete Mahlzeit an Arbeitstagen auf die abendliche Jause beschränkt. Bei einer Jause nämlich ist es schwer, den eigenen Sättigungspunkt zu finden. Gesunde Ernährung hat überhaupt weniger mit Disziplin zu tun als mit Gewohnheit. Alles, was wir gewohnt sind, machen wir mehr oder weniger automatisch. Demgegenüber ist alles, was wir versuchen, möglichst lange mit Disziplin und Willenskraft durchzuhalten, von vornherein zum Scheitern verurteilt. Gesunde Ernährung soll schmecken und Spaß machen - und Ausnahmen sind extrem wichtig. Am besten plant man sie gleich mit ein, dann kommt das schlechte Gewissen gar nicht erst auf.

Sasha Walleczek - © Julia Grandegger
Sasha Walleczek - © Julia Grandegger

Sasha Walleczek ist Ernährungstherapeutin und Erfinderin des "Faustformel"-Systems

"Zu große Ziele führen fast immer zu Frust"

Man kann sich den Körper in seiner Gesamtheit als Team vorstellen. Jede Zelle ist ein Teamplayer, der bewegt werden will. Daher ist es wichtig, sich zu spüren, also einen guten Kontakt zum eigenen Körper zu haben. Außerdem sollte man den Körper unterschiedlich fordern. Neben zyklischen Bewegungen sind Variationen und Experimente essentiell für eine nachhaltige Gesundheit. Im Fall von hohem Übergewicht ist es sinnvoll, den Körper beim Sport zu stützen, wie es etwa beim Nordic Walking, bei Wassersportarten und auf dem Fahrradergometer passiert. Um regelmäßige Bewegung in den Alltag zu implementieren, muss man sie zur Routine werden lassen. Dafür kann man sie mit ohnehin anstehenden Aufgaben verbinden. Außerdem sollte man mögliche Störfaktoren antizipieren und überlegen, wie man auf sie reagiert. Hilfreich ist es auch, sich kleine Ziele zu setzen: Wie möchte ich den heutigen Tag angehen und wie möchte ich mich dabei fühlen? Zu große Ziele führen fast immer zu Frust.

Thomas Wörz - © Mario Riener
Thomas Wörz - © Mario Riener

Thomas Wörz ist Sportpsychologe und Mentalcoach

"Sich nicht verurteilen"

Die Basis einer gesunden Beziehung zum eigenen Körper ist eine freundliche und wohlwollende Beziehung zu sich selbst. Den Körper fürsorglich zu behandeln, hat dann nichts mit strenger Disziplin zu tun, sondern vielmehr mit einer entspannten Einstellung und mit Flexibilität. Jeder von uns wird sich immer wieder einmal unausgewogen ernähren oder weniger bewegen als üblich. Wichtig ist, sich dafür weder zu verurteilen noch zu bestrafen, sondern möglichst bald wieder mehr von dem zu tun, was dem Körper guttut. Die Erforschung der Umstände, die dazu geführt haben, dass man sich nicht wie gewohnt um sich selbst hat kümmern
können, kann dabei helfen, in der Zukunft Strategien parat zu haben. Da die Ursachen für eine chronische Essstörung sehr verschieden sein können, gibt es in einem solchen Fall keine Standardlösung. Vielmehr sollte individuell eruiert werden, welches psychische Problem das ungesunde Essverhalten, das einen ineffektiven Lösungsversuch darstellt, verursacht. Ich empfehle daher, auf therapeutische Unterstützung zu setzen.

Laura Milojevic.
Laura Milojevic.

Laura Milojevic ist Ernährungswissenschaftlerin und Psychotherapeutin in Wien