Am 24. April ist der "Internationale Tag gegen Lärm". Das Institut für Schallforschung der ÖAW lädt zu Schalltests. - © ÖAW/apa/Hörmandinger
Am 24. April ist der "Internationale Tag gegen Lärm". Das Institut für Schallforschung der ÖAW lädt zu Schalltests. - © ÖAW/apa/Hörmandinger

Schwerhörigkeit fällt meist erst dann auf, wenn es schwierig wird, in einem lauten Restaurant sein Gegenüber zu verstehen. Man muss häufiger nachfragen, weil einzelne Sätze sich unterschiedslos in den Klangteppich zu mischen scheinen. Schwerhörigkeit gilt ab einem gewissen Alter als vollkommen normal. Doch so "natürlich" ist die Alterserscheinung nicht.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO schätzt, dass rund sechs Prozent der Weltbevölkerung, 466 Millionen Menschen, von Schwerhörigkeit betroffen sind. Rund ein Drittel der über 65-jährigen hören schlecht. "Unsere Ohren altern ebenso wie unsere Augen", sagt Dietmar Thurnher, Vorstand der Hals-, Nasen- Ohren-Universitätsklinik der MedUni Graz. "Das Ohr baut mit zunehmendem Alter langsam ab." Die Altersschwerhörigkeit, Presbyakusis, betrifft Menschen ab etwa 50, Männer stärker als Frauen und ist auf Veränderungen der Haarzellen im Innenohr und Abbauprozesse der zentralen Hörbahn zurückzuführen. "Natürlich" sind diese Degenerationserscheinungen nicht, oder nicht mehr. Schuld an der zunehmenden Schwerhörigkeit ist auch der Lärm, dem wir ausgesetzt sind, bzw. dem wir uns freiwillig aussetzen: "Die Rate an schwerhörigen Menschen nimmt stetig zu", sagt Thurnher. "Permanent Kopfhörer im Ohr zu haben, laute Musik zu hören usw. macht das Hochtonhören sofort schlechter. Heute hören gerade junge Leute so viel mit Kopfhörern, dass sie vermutlich viel früher schwerhörig werden als noch ihre Elterngeneration." Die Aussichten sind tatsächlich düster: Bis 2050 könnte sich die Zahl der Schwerhörigen auf 900 Millionen Menschen fast verdoppeln, schätzt die WHO.

Verlust des Hörens geht mit Einschränkung der kognitiven Fähigkeiten einher

Schwerhörig ist, wer das Rascheln von Blättern im Wind, das Ticken einer Armbanduhr oder die Computerbelüftung nicht mehr hört. Geringe Schwerhörigkeit beginnt bei einer Hörgrenze von 25 Dezibel.

Jüngere Studien zeigen, dass es nicht allein das Gehör ist, das schwindet: Der Verlust des Hörens geht mit Einschränkungen der kognitiven Fähigkeiten einher. "Der Zusammenhang wird augenfällig, wenn man schwerhörig gewordene Menschen mit Hörgeräten versorgt: Unabhängig von Faktoren wie sozialer Isolation oder anderen Einschränkungen werden die kognitiven Fähigkeiten besser, sobald das Hörgerät da ist", so Thurnher. Eine Studie am Trinity College in Dublin zeigte 2018, dass sowohl Schwerhörigkeit als auch Demenz mit einem Schwund an grauer Substanz des Zentralnervensystems einhergehen. Schwerhörigkeit, so die Conclusio der Forscher, ist ein Risikofaktor für Demenz.

Für Dietmar Thurnher macht dies die Versorgung mit Hörgeräten umso dringlicher. Daten dazu gibt es nur wenige. Eine deutsche Studie schätzte 2005, dass nur rund 15 Prozent derjenigen, die ein Hörgerät brauchen, auch eines haben: "Die restlichen 85 Prozent nehmen potenziell auch kognitive Risiken in Kauf. Die Kombination von zunehmender Schwerhörigkeit und Demenz ist fatal."