Die Psychologen Oswald Kothgassner und Anna Felnhofer forschen unter anderem mit Spielkonsolen und VR-Brillen, um herauszufinden, wie Menschen mit Maschinen interagieren. - © Felnhofer/Kothgassner
Die Psychologen Oswald Kothgassner und Anna Felnhofer forschen unter anderem mit Spielkonsolen und VR-Brillen, um herauszufinden, wie Menschen mit Maschinen interagieren. - © Felnhofer/Kothgassner

Menschen sind dann durch Maschinen ersetzbar, wenn andere Menschen glauben, dass die Maschinen Menschen sind oder zumindest von Menschen gesteuert werden. Das ist eines der Ergebnisse einer Studie von Anna Felnhofer und Oswald Kothgassner von der MedUni Wien über die psychologische Wirkung von Avataren. In ihrer Studie haben die beiden Psychologen untersucht, ob sich der Stresslevel von Menschen stärker reduziert, wenn sie vermittelt über eine Virtual-Reality-Brille Zuspruch von Computern oder Personen erhalten. Im Interview erklären die Wissenschafter, welche Schlüsse sich daraus für das digitale Leben ableiten lassen.

"Wiener Zeitung": In Ihrer Studie sind die Avatare hilfreich, solange die Probanden glauben, sie werden durch einen Menschen gesteuert. Sind Menschen also doch nicht so leicht durch Maschinen zu ersetzen?

Anna Felnhofer: Ja, eine der Erkenntnisse ist, dass es offenbar immer einen menschlichen Anteil braucht, damit Menschen sich tatsächlich unterstützt fühlen und ihr Stress sich reduziert - zumindest müssen Menschen glauben, dass ein Mensch beteiligt ist, etwa, indem er den Computer steuert. Es scheint also durchaus wichtig zu sein, Menschen glaubhaft zu machen, dass ein Mensch hinter der Maschine steckt.

Mehr als Unterhaltung: Virtual Reality kann in der Psychotherapie eine wichtige Rolle spielen, etwa bei der Bewältigung von sozialen Phobien. - © APAweb/dpa,Friso Gentsch
Mehr als Unterhaltung: Virtual Reality kann in der Psychotherapie eine wichtige Rolle spielen, etwa bei der Bewältigung von sozialen Phobien. - © APAweb/dpa,Friso Gentsch

Warum wirkt in dem Fall der Glaube so stark?

Oswald Kothgassner: Hier geht es in erster Linie um so genannte Attributionsmechanismen. Damit ein Mensch soziale Unterstützung wahrnehmen kann, muss er überzeugt sein, dass sein Gegenüber ihn auch versteht und seine Probleme nachempfinden kann. Verständnis und Mitgefühl sprechen wir aber nur Menschen zu, nicht Computern, auch nicht, wenn diese wie Menschen aussehen und verhalten. Wenn eine Person in einer Virtual Reality Interaktion mit Ihnen spricht, attribuieren Sie etwa, dass Sie mit einem anderen Menschen kommunizieren. Und etwas Zweites kommt hinzu: Der so genannte Stresspuffer funktioniert nicht deshalb, weil jemand objektive Unterstützung erfährt, sondern weil jemand diese Hilfe auch als soziale Unterstützung wahrnimmt. Zuspruch reduziert Stress, egal, ob man wirklich unterstützt wird oder nicht. Somit gelingt der Stresspuffer nur dann, wenn ich davon ausgehe, dass ein echter Mensch zu mir spricht.