Zurück zu einer Debatte der Gegenwart, die angesichts des Mangels an Pflegekräften in einer alternden Gesellschaft immer virulenter wird: der Einsatz von Roboter-Systemen in der Pflege. Der Medizin-Informatiker und Altersforscher Matei Capatu testet diese in freier Wildbahn und am lebenden Objekt. Konkret hat er probiert, wie gut ein Roboter vom Typ Henry und eine Robbe vom Typ Paro in der geriatrischen Pflegeeinrichtung Haus der Barmherzigkeit sowie in Privatwohnungen von alleine lebenden Menschen über 75 Jahre ihre Arbeit machen. Henry sollte so autonom wie möglich agieren. Er musste von alleine rechtzeitig zu seiner Ladestation finden, Menschen ausweichen, den Bodenplan kennen, sich im Haus zurecht finden und auf unvorhergesehene Objekte ohne Vorwarnung reagieren.

"Dreieinhalb Monate hielt Henry ohne Wartung oder Update durch. Er zeigte den Bewohnern den Speiseplan an und kam bei den Hausbewohnern als Spielgefährte ganz gut an", berichtete Capatu: "Wenn demenzkranke Patienten im Erdgeschoss Nordic Walking gingen, rollte er ihnen vor und spielte Wanderlieder ab." Die Robbe Paro ist mehr etwas fürs Herz. Wenn man sie streichelt, bewegt sie Kopf oder Flossen. "Speziell bei Demenzkranken kam das gut an", betonte Capatu.

Bereits alltagstauglich sind Computersysteme, die es Menschen mit schwerer Behinderung ermöglichen, mit Anderen zu kommunizieren, oder sie im täglichen Leben unterstützen. Berühmtes Beispiel war der an Amyotropher Lateralsklerose erkrankte, vollständig gelähmte Physiker Stephen Hawking, der sich nur über ein Sprachassistenzsystem verständigen konnte. "Auch angeborene Beeinträchtigungen, wie Trisomie 21 oder Autismus, oder Kognitionsstörungen können die Sprachfähigkeit erschweren. Die Assistenzsysteme sind unterschiedlich abgestimmt und vermitteln Vokabular über verschiedene Medien, Ebenen und Schnittstellen", erklärte der Medienpädagoge Christian Kienesberger, Berater für Assistierende Technologien beim gemeinnützigen Unternehmen LIFEtool.

Undurchschaubare Dynamik

Von Eyetracking bis Infrarot-Sensorik bedienen sich die dort erhältlichen Geräte verschiedener Wege, um zu erfassen, was die Betroffenen sagen wollen. "Es reicht bis zu Locked-In Syndrom, wo der Computer die Augenbewegungen übersetzt, und den Betroffenen einen Grad ihrer Autonomie zurückgibt", erklärte Kienesberger.

Was aber, wenn diese Geräte Gesundheitsdaten speichern und weiterleiten? "Es gab bereits Puppen, die Daten der Kinder sammelten. Die Frage ist, was passiert, wenn ein Mädchen ihrer Puppe erzählt, der Onkel hätte sie angefasst, und jemand bekommt diese Information. Müssen die dann das Jugendamt anrufen?", stellte Loh in den Raum.

Wer hat die Macht über die Daten und wie müssen wir ihren Einsatz rechtlich reglementieren? "In vielen Bereichen haben die Entwicklungen eine Dynamik angenommen, die schwer zu überblicken sind. Das heißt aber nicht, dass uns das der Verantwortung entbindet. Wir Konsumenten tragen Verantwortung für die Produkte, die wir kaufen", sagte die Philosophin: "Wir müssen das Kleingedruckte lesen und uns über die Folgen der Technologien, die wir schaffen, informieren." Nicht nur als Person, sondern als Unternehmen und als Gesellschaft.