Toronto/Wien. (gral) Kanadische Forscher haben dutzende Gene entdeckt, die einzig und allein dem Menschen zuordenbar sind. Bisher hatte man gedacht, dass diese Erbgutbestandteile quer über viele Organismen hinweg ähnliche Rollen innehaben. Die Entdeckung könnte eine Erklärung dafür liefern, wie unsere eigene Spezies entstanden ist.

Diese Gene kodieren für eine Klasse an Proteinen, die als sogenannte Transkriptionsfaktoren (TFs) tätig sind. Ihre Aufgabe ist es, die Genaktivität zu kontrollieren. Indem sie bestimmte Erbgutstücke erkennen und sich daran heften, ist es ihnen möglich, Gene an- oder auszuschalten. Bisher dachte man, dass dies quer über Spezies hinweg - von der Fruchtfliege bis zum Menschen - geschieht. Timothy Hughes vom Donnelly Centre for Cellular and Biomolecular Research belehrt nun eines Besseren. Grundlage für die Entdeckung ist eine neue Computermethode. Sie zeigt, dass manche Unterklassen von TFs funktionell unterschiedlicher sind als gedacht. Sie könnten auch für die Unterschiede zwischen Spezies verantwortlich sein, so die Forscher in "Nature Genetics".

Immunsystem und Gehirn

Man weiß bereits, dass Organismen mit einer großen Diversität an TFs ebenso wesentlich mehr verschiedene Zelltypen aufweisen, die komplexere Körper formen können. Diese speziellen TFs könnten für die einzigartigen Eigenschaften verantwortlich sein, die der Mensch in seiner Physiologie und Anatomie aufweist. So sind etwa das Immunsystem und das Gehirn die komplexesten quer durch das Tierreich. Sichtbar wird diese Differenz auch in der Tatsache, dass sich der Mensch in zwei Geschlechter teilt, also im sogenannten Dimorphismus. Deutliche, sichtbare Unterschiede in den Eigenschaften etwa sind Grundlage für eine erfolgreiche Reproduktion. Den TFs kommt also auch dabei Bedeutung zu.