Wien. Forscher haben eine Prothese zur Marktreife gebracht, die deren Träger den Boden unter den Füßen spüren lässt. Aus einer künstlichen Fußsohle werden dabei sensorische Informationen an den erhaltenen Beinstumpf weitergeleitet. Das soll einerseits durch das "Spüren" des Untergrunds die Gangsicherheit erhöhen, andererseits Phantomschmerzen lindern oder ganz beheben, hieß es am Montag im Rahmen einer Pressekonferenz.

Das vom Techniker Hubert Egger und Plastischen Chirurgen in Innsbruck und Südtirol entwickelte Produkt basiert auf der Beobachtung aus der Versorgung von Patienten mit "gedankengesteuerten" Armprothesen. Dafür werden Nerven chirurgisch an die Brust verlegt, welche die Armprothese steuern sollen. Seit einiger Zeit ist bekannt, dass Bewegung vermittelnde Nervenstränge (motorische Nerven) immer auch sensorische, also Oberflächenreize vermittelnde, Anteile besitzen. Außerdem können sich Nervenleitungen plastisch umorientieren.

Nerventransplantation

Daraus entstand das "Solaris"-System: Ein Sensor-Schuh trägt an der Sohle Sensoren an Ferse, Außen- und Innenrist sowie an der Fußspitze. Er wird über den Prothesenfuß gestülpt. In einem Schaft, welcher die Prothese umfasst, nimmt ein Bluetoothsender beim Gehen die Abrollreize des Fußes auf. Sie werden an vier Aktivatoren im Prothesenschaft gesendet. Die vier Aktivatoren produzieren Vibrationen je nach ihrem zugeordneten Fußsohlen-Sensor. Am natürlichen Beinstumpf müssen für die Aufnahme der Reize via plastische Chirurgie vier dafür geeignete Aufnahmestellen durch umgeleitete oder verpflanzte Nerven geschaffen werden.

Bisher wurden laut Egger rund 15 Patienten versorgt. Das System wird rund 8000 bis 10.000 Euro kosten und ist laut den Entwicklern mit jeder herkömmlichen Beinprothese kombinierbar.