Chicago/Wien. (gral/apa) Die Zahl der Krebserkrankungen und Todesfälle nimmt weltweit zu. In Österreich lebten im Jahr 2000 rund 190.000 Menschen mit Tumoren, im Jahr 2010 waren es bereits 305.000, im Jahr 2020 werden es voraussichtlich 390.000 sein - mit steigender Tendenz. Mit der modernen Medizin ist es möglich, die Mortalität zu reduzieren. Demnach leben immer mehr Menschen mit Krebs als chronischer Erkrankung. Daten vom weltweit wichtigsten wissenschaftlichen Kongress der American Society of Clinical Oncology (ASCO) zeigen nun, dass die Medizin auch im Bereich schwerster Erkrankungen Fortschritte erzielt, wie etwa bei Lungen-, Bauchspeicheldrüsen- und dem Triple-negativen Brustkrebs sowie der Leukämie.

Aggressives Pankreaskarzinom

Schon seit Jahren wird nach besseren Therapiemöglichkeiten beim Pankreaskarzinom (Bauchspeicheldrüsenkrebs) geforscht. Das ist dringend notwendig, denn in Österreich gibt es pro Jahr 1500 bis 1600 Neudiagnosen. Für das Jahr 2030 werden etwa 3000 Neudiagnosen prophezeit. Pankreaskarzinome machen nur vier Prozent der bösartigen Tumorerkrankungen aus, sind aber schon die dritthäufigste Krebs-Todesursache. Der Tumor wird zumeist erst in fortgeschrittenem Stadium erkannt. Lange bleibt er aufgrund von fehlenden oder unspezifischen Symptomen unentdeckt.

Ein Fortschritt in der längerfristigen Therapie könnte der sogenannte PARP-Inhibitor Olaparib sein. Solche Inhibitoren verhindern die Reparatur von Erbgutschäden in den Krebszellen nach erfolgter Chemotherapie. Mit der Therapie erhöhte sich den Studiendaten eines Teams um Hedy Kindler von der University of Chicago zufolge das mittlere progressionsfreie Überleben von 3,8 auf 7,4 Monate. Nach zwei Jahren, was für Patienten mit einem Pankreaskarzinom bereits eine lange Überlebenszeit bedeutet, waren noch 22,1 Prozent in der aktiven Behandlungsgruppe am Leben - ohne Krankheitsfortschritt. In der Placebogruppe waren es nur 9,6 Prozent.

Beim Lungenkarzinom stelle sich in einer Langzeitbeobachtung heraus, dass etwa 20 Prozent der Patienten im fortgeschrittenen Stadium von einer Immuntherapie auch jahrelang profitieren. Die neuen Immuntherapien sollen die körpereigenen Immunzellen, vor allem die sogenannten T-Zellen, wieder gegen den Tumor scharfmachen.

Anders als hormonabhängige Mammakarzinome war der triple-negative Brustkrebs bisher besonders schlecht behandelbar. Wie es am Onkologenkongress hieß, scheint auch hier eine neue Immuntherapie in Kombination mit einer Chemotherapie einen anhaltenden Effekt zu zeigen. "Das triple-negative Mammakarzinom zeichnet sich dadurch aus, dass es nicht auf eine antihormonelle Therapie und nicht auf eine sonstige zielgerichtete Therapie anspricht. Diese Tumore betreffen besonders jüngere Patientinnen. Die Erkrankung ist aggressiver. Insgesamt leiden rund zwölf Prozent der Patientinnen mit Brustkrebs an dieser Form. Zehn bis 15 Prozent der Betroffenen gehören zu den Patientinnen mit einem vererbten Risiko für die Erkrankung. Mit Metastasen verbunden ist das bei rund 50 Prozent der Patientinnen", erklärt Günther Steger, Onkologe am Wiener AKH.

Schwierigkeit Alter

Mittels der neuen Therapie konnte die durchschnittliche Überlebenszeit von 17,6 auf insgesamt 21,3 Monate angehoben werden, zeigt eine erste Zwischenanalyse der sogenannten IMpassion 130-Studie, die im "New England Journal of Medicine" publiziert worden ist.

Die Problematik bei der sogenannte chronisch-lymphatischen Leukämie (CLL) liegt daran, dass die Patienten meist älter als 70 Jahre sind. Das bedeutet, dass sie oft auch andere Erkrankungen haben, welche die Verträglichkeit von Krebstherapien einschränken. Auch hier wurde eine neue Behandlungsstrategie gefunden, berichten Onkologen im Rahmen des ASCO-Kongresses. Nach einer mittleren Beobachtungszeit von 28,1 Monaten lag die Rate für das progressionsfreie Überleben bei den Patienten mit der neuen Therapie bei 88,2 Prozent. In der Vergleichsgruppe betrug dieser Anteil nur 64,1 Prozent, so die aktuellen Studiendaten.