Wien. (bk) Ein Forschungsteam der University of North Carolina (USA) kam aufgrund einer Studie in Zusammenarbeit mit der Medizischen Universität Wien zu einer überraschenden Erkenntnis: Magersucht hat nicht nur psychologische Gründe, sondern auch mit Veränderungen der Stoffwechselgene zu tun. Diese neuen Erkenntnisse könnten laut den Forschenden zu verbesserten Therapien führen und vielleicht bessere Erfolgchancen bei der schwer heilbaren Krankheit erzielen.

Bis heute seien die Behandlungserfolge "inakzeptabel dürftig", betonen die Forscher in der Fachzeitschrift "Nature Genetics". Die Todesrate bei Magersucht sei höher als bei anderen psychischen Störungen und würde in manchen Fällen sogar vererbt. Die Krankheit ist unter Frauen weiter verbreitet als bei Männern. Vier Prozent aller Frauen leiden an dieser Essstörung.

Die Rolle der Gene

In der Studie stieß man auf Unterschiede bei Genen zwischen magersüchtigen Personen und "Gesunden" in Gehirnregionen, die für die Ess-Motivation und Belohnung nach der Nahrungsaufnahme zuständig sind. Die Ursachen dieser Entwicklung sind im mesolimbischen System zu suchen, das für die Entstehung von Emotionen und Motivation zuständig ist. Das mesolimbische System ist im menschlichen Großhirn verwurzelt und kann bei einer Aktivierung auch zu Suchtverhalten führen.

Die Studie wurde an 17.000 Magersucht-Patienten und 55.500 gesunden Menschen durchgeführt. Erbgutvergleiche zeigten unterschiedliche Gene zwischen Kranken und Gesunden auf. Insbesondere unterschieden sich Gene, die im Kohlenhydrat- und Fettstoffwechsel eine Rolle spielen. Die Forscher fordern ein Umdenken: Magersucht sei sowohl eine psychische als auch eine Stoffwechselerkrankung und auf mehreren Ebenen behandelbar.