Derzeit können Veränderungen im Gehirn, die vor Alzheimer-Demenzsymptomen auftreten, nur mittels PET-Scan (Positronen-Emissionstomographie) und durch die Messung bestimmter Proteine im Rückenmark zuverlässig beurteilt werden. Künftig könnte eine Blutuntersuchung ausreichen, wie Forscher nun bei der Alzheimer´s Association International Conference (AAIC) 2019 in Los Angeles berichteten.

"Es besteht ein großer Bedarf an einfachen, zuverlässigen, kostengünstigen, nicht-invasiven und leicht verfügbaren Werkzeugen für die Alzheimer-Diagnose", sagt Maria C. Carillo von der Alheimer Association. Derzeit werden in der Industrie und in der wissenschaftlichen Forschung neue Testtechnologien entwickelt. So beschrieben japanische Forscher schon im Jahr 2018 den potenziellen Blutbiomarker Amyloid-Beta, anhand welchem das Risiko, in der Zukunft an Alzheimer-Demenz zu erkranken, identifiziert werden könnte. Abnormale Amyloid- und Tau-Proteine sind die Bausteine der charakteristischen Hirnläsionen in Verbindung mit Alzheimer.

Auf der Konferenz berichtete Akinori Nakamura vom National Center for Geriatrics and Gerontology in Obu, Japan, über neue Ergebnisse einer Studie zur Analyse dieses Amyloid-Biomarkers im Vergleich zum PET-Scan, zur Magnetresonanztomographie und zu Verhaltenstests. Die Forscher stellten fest, dass der Plasma-Biomarker frühe Amyloid-Ablagerungen erkennen kann, noch bevor Demenzsymptome auftreten.

Risiko-Patienten enttarnen

"Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass der Biomarker für jene Personen nützlich sein kann, bei denen ein Risiko besteht, an Alzheimer zu erkranken. Dies kann in klinischen Studien für Alzheimer-Therapien helfen und auch jene Studien beschleunigen, die untersuchen, welche Auswirkungen eine nicht-medikamentöse Intervention sowie das Risikomanagement und ein bestimmter Lebensstil auf die Progression von Alzheimer haben", so Nakamura.

Zwei weitere Berichte beschreiben neue Blutuntersuchungen zur Auswertung von alpha-Synuclein, das zu Veränderungen im Gehirn bei Parkinson und Lewy-Körper-Demenz beiträgt, und leichten Neurofilamenten, die sich als zuverlässige Indikatoren für allgemeine Hirnzellschäden erwiesen haben.

Filippo Baldacci von der Universität Pisa untersuchte mit Kollegen, ob anhand von alpha-syn-Konzentrationen und deren Kombination mit Amyloid und Tau in roten Blutkörperchen Alzheimer-Patienten von gesunden Personen korrekt unterscheidbar sind. "Unsere Ergebnisse zeigten, dass die Patienten im Vergleich zu gesunden Personen viel geringere Konzentrationen des alpha-Synuclein sowie Kombinationen mit Amyloid und Tau aufwiesen", so Baldacci.

Rote Blutkörperchen können praktikable und relevante Modelle für die Neurodegeneration sein, da sie wahrscheinlich an der Anreicherung und Beseitigung fehlerhaft gefalteter Proteine beteiligt sind, so die Forscher.