Anfang 2018 waren schon in Bayern deformierte Köpfe - sogenannte "Turmschädel" - von Frauen gefunden worden. - © Bayerische Staatssammlung für Anthropologie und Paläoanatomie
Anfang 2018 waren schon in Bayern deformierte Köpfe - sogenannte "Turmschädel" - von Frauen gefunden worden. - © Bayerische Staatssammlung für Anthropologie und Paläoanatomie

Wien. In einer Grube in Kroatien fanden Forscher die Knochen dreier Teenager aus der Völkerwanderungszeit. Sie stammen aus verschiedensten Regionen Europas und Asiens ab und zwei von ihnen hatten künstlich "umgestaltete" Schädel, berichtet der österreichische Anthropologe Ron Pinhasi mit Kollegen im Fachmagazin "Plos one". Damit wollte man wahrscheinlich Stammeszugehörigkeit zeigen.

"Die Jugendlichen wurden offensichtlich zur selben Zeit begraben, und zwar irgendwann zwischen 415 und 560 nach der Zeitenwende, wie die Radiocarbon-Datierung eines der menschlichen Knochen zeigt", erklärte Pinhasi der APA. Pflanzenreste und Scherben von Töpfen, die wohl von Beigaben stammen, deuten auf ein reguläres Begräbnis hin. Die Forscher um Pinhasi, der am Department für Evolutionäre Anthropologie der Universität Wien arbeitet, und Mario Novak vom Institute for Anthropological Research in Zagreb (Kroatien), fanden keine Spuren eines gewaltsamen Todes an den alten Knochen, die bei Ausgrabungen in Osijek im Osten Kroatiens entdeckt wurden.

Wohl aber Anzeichen, dass die drei Völkerwanderungs-Teenager, die zwischen zwölf und 16 Jahre alt geworden sind, einen miserablen Gesundheitszustand hatten. Daran war wohl starke Mangelernährung in ihren ersten Lebensjahren schuld, meinen die Forscher. Hungersnöte waren in dieser Zeit in Europa sehr häufig.

Familienrang und Gruppenzugehörigkeit

Die drei Jugendlichen waren wohl Hunnen, Ostgoten oder Gepiden, das ist ein ostgermanischer Stamm, so die Forscher. Zwei von ihnen hatten künstlich deformierte Schädel. Dies war zunächst eine Methode, um einen bestimmten Rang der Familie zu demonstrieren, später zeigte man damit Gruppenzugehörigkeit. Dazu wird bei den Kindern schon von ganz klein an Druck auf die Schädelknochen ausgeübt, damit sie eine bestimmte Form annehmen. Bei einem der Jugendlichen war dies wohl mit einem Brett oder ähnlichem an der Oberkante der Stirn, sodass der Schädel vorne oben abgeflacht und nach hinten verformt war. Beim anderen wurde er wohl am ehesten mit rundum gewickelten Bandagen stark nach oben hin verlängert.

Die DNA aus den alten Knochen verriet, dass die drei Teenies aus völlig unterschiedlichen Regionen der damaligen Welt entstammten: "Der Jugendliche ohne künstliche Schädeldeformation weist eine überwiegend westeuropäische Abstammung auf, der Jugendliche mit der langgezogenen Schädelform eine ostasiatische, und der dritte Jugendliche eine nahöstliche", erklärte Pinhasi in einer Aussendung. Die Ergebnisse würden zeigen, dass die unterschiedlichen Gruppen zur Zeit der Völkerwanderung in der Pannonischen Tiefebene miteinander in regem Kontakt standen, so Novak. (apa)