New Haven/Wien. Untersuchungen von Weltreisenden auf Infektionskrankheiten könnten dazu beitragen, noch unentdeckte Ausbrüche von Viren ans Tageslicht zu bringen, schildern Epidemiologen der Yale School of Public Health im Fachblatt "Cell". Indem sie Virengenome von infizierten Reisenden entschlüsselten, ihre Reiserouten und Mückenstämme analysierten, entdeckten sie einen bisher unbekannten Zika-Ausbruch in Kuba während des Sommers 2017. Dieser war in lokalen Aufzeichnungen nicht gelistet, sagt Studienautor Nathan D. Grubaugh.

Vermutlich durch die Reisefreudigkeit aufgrund der Fußballweltmeisterschaft 2014 hatte sich die Krankheit im Jahr 2015 in Lateinamerika ausbegreitet. Die Zika-Epidemie 2015/16 hatte vor allem in Brasilien vermehrt Schädelmissbildungen (Mikrozephalie) bei Neugeborenen hervorgebracht, deren Mütter infiziert wurden. Das Virus wird auch mit neurologischen Störungen in Verbindung gebracht.

Bei Erwachsenen verläuft eine Infektion oft unauffällig bzw. kann sie mit einer herkömmlichen Infektion verwechselt werden: Fieber, Kopf- und Muskelschmerzen, Entzündung der Augenbindehaut, Hautrötungen und Erbrechen sind typische Symptome, die nach einigen Tagen abklingen. Bei 80 Prozent verläuft sie überhaupt symptomlos. Doch kann eine Infektion während der Schwangerschaft für das Ungeborene folgenschwer sein.

Das Zika-Virus auf Reisen. - © Yale School of Public Health/Nathan Grubaugh
Das Zika-Virus auf Reisen. - © Yale School of Public Health/Nathan Grubaugh

Bis zu 20.000 Fälle in Kuba

"Als die große Epidemie Ende 2016 im Schwinden war, wollten wir wissen, ob die Ausbreitung tatsächlich gestoppt war oder sich noch versteckte Übertragungen auch in anderen Ländern ereigneten", betont Studienautor Scott F. Michael, Biologie an der Florida Gulf Coast University. Basierend auf Daten aus Heimatländern von Reisenden entdeckten die Forscher nun einen 2017 in Kuba stattgefundenen Ausbruch. So soll es 1000 bis 20.000 Zika-Fälle gegeben haben. In Kuba selbst wurden 2016 lediglich 187 Fälle und 2017 gar kein Fall gelistet.

Nicht angezeigte Ausbrüche bergen das Risiko für eine stille Ausbreitung von Viren in andere Weltregionen. Sie zeigen allerdings auch, dass alternative Methoden nötig sind, um den fehlenden Zugang zu lokalen Aufzeichnungen wett zu machen, betonen Forscher der Yale University in New Haven. Doch in vielen Regionen sei ein flächendeckendes Reporting aus verschiedenen biologischen aber auch sozioökonomischen Gründen gar nicht möglich. Deshalb haben sich die Forscher auf infizierte Reisende konzentriert - und auf den genetischen Code der Viren.

Die Erkenntnisse könnten dazu beitragen, auch in anderen Regionen der Welt noch unentdeckte Ausbrüche - auch anderer Viren - ans Tageslicht zu bringen, so die Forscher. In Angola, Thailand und Indien komme es nach wie vor zu Übertragungen von Zika.