Paris. Wohlstand steigert offenbar das Krebsrisiko. Krebs ist in einigen der reichsten Staaten der Erde die häufigste Todesursache. In Ländern mit niedrigem und mittlerem Bruttoinlandsprodukt (BIP) erkranken weniger Menschen an Krebs. "Die Welt erlebt einen epidemiologischen Übergang", berichteten die Autoren zweier im Fachblatt "The Lancet" veröffentlichter Studien beim Europäischen Kardiologenkongress in Paris am Dienstag.

Die Studien seien die ersten großen und vorausschauend konzipierten epidemiologischen Untersuchungen zur Entwicklung von Todesursachen. Beobachtet wurden 160.000 Menschen im Alter von 35 bis 70 Jahren zwischen 2005 und 2016. Zu den Staaten mit dem höchsten BIP zählen Saudi-Arabien, die Vereinten Arabischen Emirate, Kanada und Schweden, zu jenen mit mittlerem Einkommen die Philippinen, Kolumbien, China oder Argentinien. In der Gruppe der ärmsten Länder reihen Tansania, Bangladesch, Indien und Zimbabwe.

Herz-Kreislauf ist Nummer zwei

"Herz-Kreislauf-Erkrankungen bleiben weltweit die häufigste Todesursache bei Menschen im mittleren Alter und sind für 40 Prozent der Todesfälle verantwortlich. In den reichsten Ländern fordert jedoch Krebs mittlerweile doppelt so häufig Todesopfer wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen", berichten die Experten. Auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen entfielen in den reichsten Staaten 23 Prozent der Todesfälle, auf Krebs 37 Prozent.

In Staaten mit mittlerem Einkommen waren zu 41 Prozent Herz-Kreislauf-Erkrankungen und zu 30 Prozent Krebserkrankungen für die Mortalität verantwortlich. In den ärmsten Ländern forderten Herz-Kreislauf-Leiden 43 Prozent und Krebs 17 Prozent der Leben. In Österreich bleiben die Herz-Kreislauf-Leiden mit 38,9 Prozent die häufigste Todesursache. Auf Krebs entfallen hierzulande 24,5 Prozent der Sterbefälle.