Natrium und Chlorid - zwei Elemente, die den Chemieunterricht zu Schulzeiten in Erinnerung rufen. Doch als Verbindung sind sie viel, viel mehr als das. Als Natriumchlorid sind sie unzertrennlich mit dem menschlichen Leben verknüpft. Es lässt uns lachen, denken und tanzen. Es erzeugt Nervenimpulse, die unser Herz, unsere Muskeln und unser Gehirn antreiben. Also: Ohne Salz kein Leben. Zu viel davon kann es jedoch gefährden. Salz ist Lebenselixier und Krankmacher zugleich. "Es gilt als Würze, als Gift und als Medizin, es wird geliebt und gehasst", schreibt die Ernährungswissenschafterin Anja Tanas in ihrem Buch "Alles über Salz - Die ungeheure Wirkung der richtigen Prise".

Das Salz verstärkt den Geschmack der Speisen - doch aufgepasst bei verliebten Köchen. In früheren Zeiten bereicherte es den Geldbeutel des Kaufmanns, der damit handelte. Vitae sal amicita - die Freundschaft ist des Lebens Salz. Fakten, Mythen und Sprichworte. Das in fester Form zumeist weiße Kristall hat uns fest im Griff.

Vom Ozean in die Berge

Sein Kreislauf beginnt mit dem Regen. Die Wassertropfen fallen auf die Erde und versickern im Boden. Auf seinem Weg in die Tiefe löst das Wasser Mineralien aus den Gesteinen - bis es im Grundwasser landet. In Form von Quellen tritt es wieder an die Oberfläche. Indem es weiter durchs Land fließt, reichert es sich unaufhörlich mit Mineralstoffen an - bis es im Meer landet. Ozeane sind riesige Salzspeicher, in denen Salz aus Millionen von Jahren gelöst ist. Verdunstet Wasser, so steigt es in den Himmel auf und bildet Wolken. Der nächste Regen startet den Prozess von Neuem.

Der Körper kann das lebenswichtige Natrium nicht selbst herstellen, daher ist er auf dessen aktive Aufnahme mit der Nahrung angewiesen. Schon die Jäger und Sammler stillten ihren Salzhunger - damals noch durch tierisches Blut. Bis sie entdeckten, dass auch Gewässer Salz führen. Die neolithische Revolution, also die Sesshaftwerdung des Menschen und das Aufkommen des Ackerbaus, brachte es mit sich, dass seltener gejagt wurde. So war es notwendig geworden, Lebensmittel zu konservieren. Natürlich mit Salz.

Abbau in Hallstatt

Im alten Ägypten stand es nur Pharaonen als Opfergabe zu. Im alten Rom fand es als Zahlungsmittel Verwendung. Den Salzhandel im Mittelmeerraum etablierten die Phönizier.

Die älteste bekannte Abbaustätte der Welt liegt im oberösterreichischen Hallstatt. Dort bedienten sich schon die Kelten mit dem kostbaren Gut. Die Hallstätter exportierten Salz über Handelswege nach Deutschland, Italien und auf den Balkan. Der Rohstoff bescherte der Stadt einen unglaublichen Reichtum, bis das Bergwerk im vierten Jahrhundert vor Christus durch einen Erdrutsch verschüttet wurde. Ein neues musste erschlossen werden. Heute noch wird in Hallstatt Salz gefördert.