Dortmund/Münster. (dpa/est) Die Technische Universität (TU) Dortmund kann nahezu nikotinfreien Tabak erzeugen. Durch einen gentechnischen Eingriff bei der Tabakpflanze "Virginia Smoking Tobacco" sei die Konzentration des Suchtstoffs auf ein Vierhundertstel verringert worden. "Weltweit ist es noch niemandem gelungen, den Nikotinwert so weit herabzusenken", sagt Studienautor Felix Stehle zu seinen Ergebnissen im "Plant Biotechnology Journal".

Bei der betreffenden Pflanze seien sechs Gene durchgeschnitten worden, die für die Nikotinproduktion wichtig sind. Die Pflanze setze diese Gene zwar wieder zusammen, jedoch mache sie dabei Fehler, wodurch sie die Nikotinproduktion aussetzt. Der Prozess ist laut Stehle praktisch mit jeder Tabaksorte möglich. Nikotin ist der Suchtstoff in Zigaretten. Daneben finden sich im Zigarettenrauch 4800 chemische Substanzen, von denen 70 krebserregend sind.

Sonnenlicht als Hilfe

Der Umwelt schaden weggeworfene Zigarettenstummel. Den Bürgern Berlins etwa sind sie ein solcher Dorn im Auge, dass eine Petition für ein Pfand von 20 Cent pro Kippe bereits 50.000 Unterschriften hat. Laut Weltgesundheitsorganisation gelangen jährlich bis zu 680 Millionen Tonnen Zigaretten in die Weltmeere, Tschikstummel sind das am häufigsten weggeworfene Produkt.

Max-Fabian Volhard von der Fachhochschule Münster geht dagegen vor. Er forscht an einem chemischen Stoff, der die schädlichen Zigarettenfilter in der Umwelt zersetzt. "Zigarettenfilter bestehen zu einem großen Teil aus Zelluloseacetat, das ist ein Polymer", erklärt Volhard. "Es lässt sich wegen seiner Acetat-Gruppen schlecht abbauen." Ein Zusatzstoff aus Titandioxid im Filter soll das ändern. Wenn Titandioxid von Sonnenlicht angeregt wird, bildet es Radikale, die die Polymer-Struktur des Zigarettenfilters angreifen und auflösen.