Berlin. Heiße Tage sind anstrengend für den Körper und werden im Zuge des Klimawandels immer häufiger. Heuer wurden erneut Hitzerekorde gebrochen. Vor allem dem Herz-Kreislauf-System machten hohe Temperaturen und große Temperatursprünge innerhalb kurzer Zeit zu schaffen, sagt Andreas Zeiher, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie. Vermehrte Herzinfarkte seien die Folge.

Zeiher sieht die Klimaveränderungen als ein größeres Gesundheitsrisiko als das Rauchen, "weil die ganze Bevölkerung betroffen ist." Gegen Temperaturschwankungen und Hitze könne man außerdem nichts unternehmen. Die Klimaveränderungen seien "ganz sicher" eine der größten Herausforderungen für das Gesundheitssystem in den nächsten 20 bis 50 Jahren. "Denn neben den Temperaturveränderungen gehen damit zum Beispiel Brände und eine erhöhte Luftverschmutzung einher."

"Hitze und insbesondere abrupte Temperaturveränderungen bedeuten Stress für den Körper und das Herz-Kreislauf-System", erklärte Zeiher im Vorfeld des Welt-Herz-Tages am 29. September. Stresshormone würden ausgeschüttet, in der Folge verengten sich die Gefäße, das Blut werde klebriger und dickflüssiger. Die Gefahr für einen Herzinfarkt und auch für einen Schlaganfall steige. "Wir verzeichnen ein höheres Auftreten von Herzinfarkten und Schlaganfällen und insgesamt von Notfall-Besuchen im Krankenhaus an sehr heißen Tagen", sagt der Experte. Vor allem Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, ältere Menschen und Diabetiker seien betroffen.

Eine Reihe von Studien habe gezeigt, dass sich bei höherer Lufttemperatur die Sterberate bei Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöht, berichtet auch Elke Hertig, Professorin für Klimawandel und Gesundheit an der Universität Augsburg. "Die Sterberate bei Hitzewellen kann sich um zwei bis drei Prozent erhöhen."

Viel trinken, wenig Belastung

Wie können sich gefährdete Gruppen gegen Hitze und Temperatursprünge wappnen? Viel trinken, bei hohen Temperaturen den Körper nicht außerordentlich fordern und belasten sowie gegebenenfalls in kühlen Innenräumen bleiben, sagen die Wissenschafter übereinstimmend.

In Gegenden auf der Welt, wo stets höhere Temperaturen herrschen - beispielsweise im Mittelmeerraum, gibt es den Forschern zufolge trotzdem nicht mehr Herzinfarkte. "Die Leute sind adaptierter und kommen mit der Hitze besser klar, weil sie über Jahrhunderte gelernt haben, wie man etwa mit der Mittagshitze besser umgeht", erklärt Lungenfacharzt Christian Witt von der Berliner Charite. Vor allem in ihrem Verhalten seien die Bewohner von Regionen mit viel Hitze besser angepasst, meint auch Hertig und verweist auf andere städtebauliche Gegebenheiten und lange Pausen, wie die Siesta in der Mittagszeit. Die hohen Temperaturen seien dort weitgehend konstant, es gebe weniger große Sprünge, ergänzt Zeiher.

Auch andere mögliche Auswirkungen des Klimawandels machten der Gesundheit zu schaffen, etwa stark schwankende Temperaturen oder auch Starkregenereignisse, sagt Witt als Experte für Klimawandel und Gesundheit. Etwa steige die Schimmelgefahr in Wohnungen und Kellern durch häufigeren und starken Regen. "Das Hauptthema ist aber Hitze, vor allem in den Städten." Denn gerade in diesen dicht besiedelten Räumen sei es durch Bebauung und Verkehr besonders heiß. (dpa)