Die Rolle der Gene beim familiär erhöhten Darmkrebsrisiko ist offenbar bisher überschätzt worden. Zu diesem Schluss kamen Forscher des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) Heidelberg in einer aktuellen Studie. Andere Risikofaktoren wie familiäre Ernährungsgewohnheiten wiegen demnach vermutlich schwerer als angenommen. Das habe Konsequenzen für Berechnungen des individuellen Darmkrebsrisikos.

Ein Schnitt durch einen Tumor im Dickdarm einer Maus. - © Meduni Graz / Rudolf Schicho / Magdalena Grill
Ein Schnitt durch einen Tumor im Dickdarm einer Maus. - © Meduni Graz / Rudolf Schicho / Magdalena Grill

Darmkrebs ist weltweit die dritthäufigste Krebserkrankung. Zu den wichtigsten Risikofaktoren zählt eine familiäre Vorbelastung. Zudem identifizierten Forscher in den vergangenen Jahren rund hundert Genvariationen, die in der Bevölkerung weit verbreitet sind und die das Risiko für Darmkrebs beeinflussen.

Neues Berechnungsverfahren

Die DKFZ-Forscher werteten Daten von knapp 8000 Darmkrebspatienten sowie gesunden Menschen aus, hieß es am Donnerstag in einer Aussendung. Während bisher gängige Verfahren davon ausgingen, dass die familiäre Häufung zu 100 Prozent genetisch bedingt ist, entwickelten die Heidelberger Experten ein neues Berechnungsverfahren, dass genau das nicht annimmt.

Während bisherige Berechnungen den bekannten Genvarianten einen Anteil bis 23,1 Prozent am familiär erhöhten Darmkrebsrisiko zusprachen, führten die Berechnungen der deutschen Wissenschafter zu einem deutlich geringeren Anteil von 14,3 Prozent. Bereits im vergangenen Jahr hatte eine Studie gezeigt, dass bei Halbgeschwistern von Darmkrebspatienten das Risiko, selbst zu erkranken, ebenso erhöht ist wie bei "echten" Geschwistern. "Das legt nahe, dass gemeinsame Risikofaktoren, etwa spezielle Ernährungsgewohnheiten, Rauchen oder ein Bewegungsmangel eine deutlich größere Rolle spielen als bisher angenommen", betonten die Forscher.

Wer nur wenige auffällige Genvarianten in seinem Erbgut trage, dürfe sich nicht in Sicherheit wiegen, wenn etwa sein Lebensstil das Darmkrebsrisiko erhöhe. Umgekehrt müsse Darmkrebs trotz ungünstiger Genetik kein Schicksal sein, wenn das individuelle Verhalten das Risiko senke. (apa/afp)