Newcastle/Wien. Antibiotika sollen Bakterien abtöten oder sie an der Vermehrung hindern. Doch immer häufiger kommt es zu Resistenzen. Die Keime bleiben unerreichbar im Körper und verursachen fortschreitende Infektionen. Schlimmstenfalls kann dies zum Tod führen. Wie Bakterien im Körper in Deckung gehen, hat die Universität Newcastle herausgefunden. Die Keime ändern ihre Form, um vom Wirkstoff nicht entdeckt zu werden, berichtet das Team in "Nature Communications".

Die Wissenschafter haben Proben älterer Menschen mit wiederkehrenden Harnwegsinfekten untersucht. Dabei haben sie festgestellt, dass die Keime ihre Zellwand verändern, sodass sie unsichtbar werden. Die Zellwand ist die Angriffsfläche für einen Großteil der üblichen Antibiotika. "Stellen Sie sich die Zellwand des Bakteriums wie eine Warnweste vor. Die Weste gibt ihm eine Form - die eines Stabs oder einer Kugel -, die es robust macht. Die Weste macht sie aber höchst sichtbar für Antibiotika", beschreibt Studienautorin Katarzyna Mickiewicz.

L-Form dient als Tarnkappe

Mickiewicz hat erkannt, dass Bakterien die Warnweste so verändern können, dass sie für das Immunsystem nicht mehr sichtbar sind. Die Forscher nennen diesen neuen Zustand L-Form. L-Formen sind zarter und schwächer. Sie können sich jedoch verstecken und sich zu ihren Ausgangszellen zurückbilden und wieder vollständig infektiös werden.

Im gesunden Menschen dürfte diese Veränderung wenig dramatisch ausfallen. Das Immunsystem scheint hier mehr Chancen zu haben. Bei geschwächten oder älteren Patienten kann die L-Form allerdings überleben, zeigen die Proben der Studie. Die Bakterien können ihre Zellwand wiedererlangen und die Patienten erneut angreifen. Das könnte auch der Grund sein, warum es zu immer wiederkehrenden Harnwegsinfekten kommen kann, schreiben die Wissenschafter. Ärzte sollten hier eine Antibiotika-Kombinationstherapie in Erwägung ziehen, betonen die Autoren. Eine Substanz, die die Zellwände der Bakterien angreift, sollte zusammen mit einer weiteren, die sich gegen versteckte L-Formen richtet und damit die RNA oder DNA erreichen kann, verabreicht werden.

Mit üblichen klinischen Methoden seien L-Formen allerdings schwer zu identifizieren. Die Forscher nutzten eine spezielle biochemische Untersuchung, um die Bakterien im Labor zu sichten. In weiteren Studien sollen Patienten untersucht werden, die bereits behandelt wurden.

Übrigens können resistente Keime auch von Waschmaschinen in Spitälern übertragen werden, berichtet die Universität Bonn. Das sei vor allem der Fall, wenn die Waschtemperaturen zu niedrig gewählt würden.