Das Lamm, das am 5. Juli 1996 im Roslin Institute bei Edinburgh in Schottland zu Welt kam, trug zunächst nur die Nummer 6LL3. Erst später wurde es nach der mit einer üppigen Oberweite ausgestatteten Country-Sängerin Dolly Parton benannt, weil die zum Klonen verwendete Zelle aus dem Euter eines Schafes stammte. Doch an der fragwürdigen Grundlage für die Namensgebung stieß sich niemand, schließlich war das Schaf eine Sensation und der Name nebenrangig – Dolly war das erste Säugetier, das erfolgreich mittels Zellkerntransfer (englisch: Somatic Cell Nuclear Transfer, SCNT) aus adulten Zellen geklont wurde.

Der primäre Gedanke dahinter war jedoch nicht, eine (nahezu) idente Kopie des Schafes herzustellen, von dem die Zellen stammten, sondern ob in Zellen, die bereits eine bestimmte Funktion innerhalb des Körpers übernommen hatten (also zum Beispiel Haut- oder Muskelzellen), noch sämtliche Erbinformationen gespeichert waren oder ob diese bei der Ausdifferenzierung während der Embryoentwicklung verloren gehen. (Außerdem sollte es der erste Schritt zu einer Methode sein, um ein Schaf genetisch so modifizieren zu können, dass es in seiner Milch Proteine mit therapeutischer Wirkung produziert – ein transgenes Tier für Gene-Pharming. 1997 wurde das im Roslin Institute mit Schaf Polly erreicht.) Der Öffentlichkeit war jedoch etwas anderes viel wichtiger – konnte man nun auch Kopien von Menschen herstellen? Einen geklonten Menschen gibt es so weit bekannt bis heute nicht, doch in China vermeldeten Wissenschafter im November 2018 stolz, dass zwei genveränderte Babys gesund auf die Welt gekommen seien…

Mehr als 20 Jahre später hat sich die Technik des Zellkerntransfers kaum weiterentwickelt, und sie ist immer noch mit hohen Ausfallsraten und teils großen gesundheitlichen Risiken für die Leihmütter und vor allem die Klone selbst verbunden. Bei der "Vervielfältigung" hervorragender Zuchttiere in der Nutztierzucht wird SCNT-Klonen jedoch weiterhin eingesetzt, ein relativ junger Markt hat sich bei Heimtieren entwickelt: Hunde, Katzen oder Pferde, deren Besitzer sich entweder finanziellen Nutzen von einem Klon erwarten (etwa bei erfolgreichen Rennpferden oder auch Kamelen) oder eine Kopie des geliebten Haustieres für später wollen, lassen sich das einiges kosten – und Unternehmen in Italien, Frankreich, China, den USA oder Australien können bereits lukrativ davon leben.