Vertrauen ist ein Grundbaustein für Beziehungen mit anderen. Ein naives Vertrauen führt zu Ausbeutungen. Extremes Misstrauen manifestiert sich in psychischen Erkrankungen wie der Paranoiden- und der Borderline-Persönlichkeitsstörung. Eine genaue Identifizierung der Bausteine des Gehirnnetzwerks, das die Vertrauensbildung reguliert, ist nötig, um neue medizinische Behandlungen entwickeln zu können. Wie nun Wiener Psychologen zeigen, ist eine intakte Amygdala im Gehirn notwendig, um einer Person Vertrauen zu schenken. Sie untersuchten Patientinnen mit dem Urbach-Wiethe-Syndrom, deren Amygdala - jene Region im Gehirn, die Emotion und Erinnerung beeinflusst - teilweise geschädigt ist. Die Ergebnisse könnten ein Schritt hin zu modernen Behandlungsmethoden psychischer Erkrankungen sein.

Beim Urbach-Wiethe-Syndrom handelt es sich um eine genetisch bedingte sehr seltene Krankheit mit weltweit nur rund 100 bekannten Fällen, von denen ein Großteil in Südafrika vorkommt. Die Gehirnschädigungen der Patientinnen sind ausschließlich auf eine Teilregion der Amygdala, die basolaterale Amygdala, beschränkt, die verkalkt.

Basis für mögliche Therapien

Mit einem Vertrauensspiel als Verhaltensexperiment konnte aufgezeigt werden, "dass diese Schädigung - und nicht etwa allgemeine Lernprobleme oder der sozioökonomische Status - für die Defizite bei der Vertrauensbildung der Probandinnen verantwortlich ist", so Lisa Rosenberger von der Fakultät für Psychologie der Univerität Wien in einer Aussendung. Die Forscher gehen davon aus, dass durch die defekte Amygdala Informationen über die Vertrauenswürdigkeit der Mitspieler nicht an die nötigen Regionen des involvierten Gehirnnetzwerks weitergeleitet werden. Dadurch konnten die Patientinnen ihr Vertrauen gegenüber den Mitspielerinnen nicht verändern.

Damit sei nun eine "wichtige Basis" für die Entwicklung von Behandlungsmöglichkeiten von psychischen Störungen mit Vertrauensdefiziten geschaffen. Zudem bestätige die in "Current Biology" erschienene Studie, dass Teilregionen der Amygdala unabhängige Funktionen haben.