Paris. Wohl erstmals in Europa haben sich zwei Menschen mit dem Zika-Virus angesteckt. Im südfranzösischen Departement Var habe es zwei Infizierte gegeben, die sich nicht bei Reisen angestecket haben können, berichteten französische Medien unter Berufung auf Behördenangaben. Beide Betroffenen seien inzwischen genesen. Sie seien im August in kurzem zeitlichen Abstand erkrankt, hieß es von der europäischen Gesundheitsbehörde ECDC. Nach Kenntnisstand der Behörde handelt es sich um die europaweit ersten dokumentierten Übertragungen des Zika-Virus durch hier lebende Asiatische Tigermücken (Aedes albopictus). Nun werde untersucht, ob es noch weitere Fälle gibt.

Ursprünglich hatte sich die Krankheit vermutlich durch die Reisefreudigkeit aufgrund der Fußballweltmeisterschaft im Jahr 2014 in Lateinamerika ausgebreitet. Die nachfolgende Zika-Epidemie hatte 2015/2016 vor allem in Brasilien vermehrt Schädelmissbildungen (Mikrozephalie) bei Neugeborenen hervorgebracht, deren Mütter infiziert wurden. Das Virus wird auch mit neurologischen Störungen in Verbindung gebracht.

Folgen für Ungeborene

Bei Erwachsenen verläuft eine Infektion oft unauffällig, beziehungsweise kann sie mit einer herkömmlichen Infektion verwechselt werden. Während einer Schwangerschaft kann eine Erkrankung für das Ungeborene allerdings folgenschwer sein. Auch ein milder Verlauf bei Schwangeren kann erhebliche Spätfolgen für das Kind haben.

Eine im Sommer im Fachblatt "Nature Medicine" erschienene Studie hat aufgezeigt, dass ein Drittel der untersuchten Kinder nach rund zwei Jahren gesundheitliche Probleme aufwiesen. Am stärksten waren die Kinder von Sprachfunktionsstörungen (35 Prozent) betroffen, bei zwölf Prozent wurden Hörfunktionsstörungen diagnostiziert. Die Forscher untersuchten 117 in Rio de Janeiro geborene Kinder. 42 Prozent von ihnen wiesen unmittelbar nach der Geburt strukturelle und funktionelle Schädigungen des Zentralnervensystems auf, bei denen damit zu rechnen war, dass sich die Kinder nicht optimal weiterentwickeln. (gral/apa)