90 Jahre und voll im Geschäft: Eric Kandels jüngste Entdeckung ist, dass ein Protein Neuronen dazu bringt, Langzeiterinnerungen zu speichern. - © Eva Stanzl
90 Jahre und voll im Geschäft: Eric Kandels jüngste Entdeckung ist, dass ein Protein Neuronen dazu bringt, Langzeiterinnerungen zu speichern. - © Eva Stanzl

Wien/New York. Eric Kandel feiert seinen 90. Geburtstag am 7. November in seiner Geburtsstadt Wien, aus der ihn die Nazis als Kind vertrieben haben. Ärztekammer, Stadt Wien sowie Universität Wien und Medizin-Universität Wien würdigen den Medizin-Nobelpreisträger mit einem Festreigen.

Bereits am 6. November wird Kandel im Wiener Rathaus geehrt: Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) lädt dort zu einem Empfang zu Ehren Kandels. Am gleichen Tag verleiht die Ärztekammer für Wien dem Mediziner ihr "Großes Ehrenzeichen am Bande" - "als Ausdruck der großen und tiefen Verbundenheit mit Eric Kandel und in Würdigung seiner außerordentlichen Verdienste und Leistungen in der Hirnforschung". Es ist dies die höchste Auszeichnung der Ärztekammer.

Unter dem Motto "Happy Birthday, Eric" veranstalten die Universität Wien und die Medizinische Universität Wien am 7. November ein "Fest für Eric Kandel". Bundespräsident Alexander Van der Bellen nimmt teil, Alt-Bundespräsident Heinz Fischer, den mit dem Nobelpreisträger eine persönliche Freundschaft verbindet, und Kandels Frau Denise, werden persönliche Worte sprechen. Die Laudatio hält der Präsident der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW), Anton Zeilinger.

In Pension gehen? "Sicherlich nicht!"

Nach wie vor arbeitet Kandel Vollzeit an seiner Universität. Der US-Neurobiologe beweist tagtäglich, dass man auch im hohen Alter und nach einem Nobelpreis hochaktiv und produktiv sein kann - nicht nur als Buchautor, sondern auch als Wissenschafter. In Pension gehen wolle er "sicherlich nicht", sagte er kürzlich in einem Interview, das die "Wiener Zeitung" mit ihm in New York führte. "Dass man in den Vereinigten Staaten nicht in Pension gehen muss, ist eines der wunderbaren Dinge am Leben hier. So lange man einen angemessenen Job macht, wird man sogar ermutigt, zu bleiben. Das ermöglicht intellektuelle und soziale Beteiligung am Leben und sie wiederum betätigt das Gehirn, wovon der psychische Zustand und die intellektuelle Funktionsfähigkeit profitieren. Neue Synapsen bilden sich, während existierende am Leben bleiben. Es ist wie ein Fitnesstraining."

Im Sommer ist im Fachjournal "PNAS" Kandels jüngste wissenschaftliche Arbeit erschienen. Mit seiner Arbeitsgruppe am Jerome L. Greene Science Center der Columbia University in New York hat er herausgefunden, dass ein Protein (CPEB3) Neuronen dazu bringt, Langzeiterinnerungen zu speichern. Tagtäglich kommt er noch in das von Stararchitekt Renzo Piano designte Gebäude und forscht mit einem fixen Budget vom Howard Hughes Medical Institute.