Zentrale Themen Erinnerung und Gedächtnis

Erinnerung und Gedächtnis sind die zentralen Themen im Leben Kandels, in persönlicher und in wissenschaftlicher Hinsicht. Es ist das Thema, das ihm im Jahr 2000 gemeinsam mit Arvid Carlsson und Paul Greengard den Medizin-Nobelpreis eingebracht hat. Sie wurden "für ihre Entdeckungen zur Signalübertragung im Nervensystem" ausgezeichnet. Kandel fand anhand der einfachen Strukturen des Nervensystems der Meeresschnecke Aplysia heraus, was bei der Speicherung im Langzeitgedächtnis vor sich geht, dass dabei Gene angeschaltet, Proteine gebildet und zusätzliche Verbindungsstücke zwischen Nervenzellen (Synapsen) aufgebaut werden.

Genau so haben sich die traumatischen Erlebnisse seiner Kindheit in Kandels Langzeitgedächtnis eingebrannt. "Es waren alle schlecht, ohne Ausnahme", erinnerte sich der am 7. November 1929 in eine jüdische Familie geborene Kandel an das Verhalten der Menschen in seiner Geburtsstadt Wien nach dem "Anschluss" 1938. Sein Vater hatte ein Spielwarengeschäft in Wien-Währing, beim Novemberpogrom 1938 wurde die Wohnung der Familie geplündert.

Im April 1939 gelang ihm und seinem Bruder die Flucht in die USA, seine Eltern konnten später folgen. In Harvard studierte Kandel zunächst zeitgenössische europäische Geschichte und Literatur. Er schloss dort Freundschaft mit Kollegen, deren Eltern Mitglieder des Freud'schen Kreises in Wien gewesen waren. Dadurch wuchs sein Interesse an der Untersuchung des menschlichen Geistes.

Organische Veränderungen im Gehirn

Kandel wechselte 1952 an die New York University, um Medizin zu studieren und Psychiater zu werden. Nach seiner Promotion 1956 begann er am Montefiore Hospital in New York und wurde schließlich in Boston am Massachusetts Mental Health Center zum Psychiater ausgebildet. Im Laufe des Studiums interessierten ihn zunehmend die biologischen Vorgänge im Gehirn.

Von 1965 bis 1974 war er Associate Professor am Department of Physiology and Psychiatry der New York University und arbeitete in dieser Zeit auch drei Jahre lang im Labor für Neurophysiologie der nationalen US-Gesundheitsinstitute im US-Bundesstaat Maryland. Das war jene Zeit, in der Kandel nach eigenen Angaben zum Aufdecker organischer Veränderungen im Gehirn im Rahmen von Signalübermittlung und Gedächtnisbildung wurde.

1974 kam Kandel an die Columbia University, wo er das Zentrum für Neurobiologie und Verhalten gründete. Er ist nach wie vor Professor an der Columbia und Seniorwissenschafter des Howard Hughes Medical Institute.