Zahlreiche Auszeichnungen

Kandel hat zahlreiche Auszeichnungen erhalten, neben dem Nobelpreis unter anderem den Albert Lasker-Preis für medizinische Grundlagenforschung (1993), die nationale US-Medaille für Wissenschaft (1988) und den Wolf-Preis für Biologie und Medizin des Staates Israel (1999).

Statt einer Ehrung durch das offizielle Österreich im Anschluss an den Nobelpreis - die Ehrenzeichen erreichten ihn später dennoch, etwa in Form des Großen Silbernen Ehrenzeichens der Republik oder der Wiener Ehrenbürgerschaft - wünschte er sich ein Symposium über die Folgen des NS-Regimes für Forschung und Bildung, das 2003 in Wien stattfand. Dieser Wunsch ist symptomatisch für Kandels Ansatz, junge Leute zu erreichen, "die bereit sind, die Vergangenheit zu erforschen, und damit ein Umfeld zu schaffen, in dem so etwas nie wieder passieren kann".

"Es hat lange gedauert, aber jetzt ist es da", sagte er 2013 bei der Präsentation des Sammelbands "Der lange Schatten des Antisemitismus". Er spielte damit wohl auch auf die von ihm lange geforderte Umbenennung jenes Stücks der Ringstraße an, das nach dem Wiener Bürgermeister und Antisemiten Karl Lueger benannt war und nun "Universitätsring" heißt.

Das kreative Potenzial der Jahrhundertwende

In dem Buch schrieb Kandel auch über das kreative Potenzial der Jahrhundertwende in seiner Geburtsstadt - ein Thema, dem er sich schon 2012 in großem Umfang widmete: In dem mit dem Bruno-Kreisky-Preis für das politische Buch ausgezeichneten Werk "Das Zeitalter der Erkenntnis" gelang ihm ein Brückenschlag zwischen Hirnforschung und Kulturgeschichte. Sein jüngstes Buch widmete er der Frage "Was ist der Mensch?" und den "Störungen des Gehirns und was sie über die menschliche Natur verraten" (2018). Es wurde als österreichisches Wissenschaftsbuch des Jahres 2019 in der Kategorie "Medizin/Biologie" ausgezeichnet.

Er habe sein ganzes Leben lang versucht, mit seiner Wiener Vergangenheit fertig zu werden, sagte Kandel einmal. Und nach wie vor mahnt er, etwa dass Österreich "keine Anstrengungen unternommen habe, Juden zu ermutigen, wieder nach Wien zu kommen" und sich "bisher nicht sehr bemüht hat, die Menschen daran zu erinnern, was sie den Juden zu verdanken haben". Doch der Mediziner, der auch die österreichische Staatsbürgerschaft wieder angenommen hat, scheint seinen Frieden mit der Vergangenheit gefunden zu haben: "Ich glaube, das habe ich abgeschlossen. Ich fühle mich recht wohl mit meiner Wiener Vergangenheit." (apa/est)