Langen. Masernviren löschen einen Teil des Immungedächtnisses. Dadurch werden Betroffene auch über die Maserninfektion hinaus empfänglicher für Infektionen mit anderen Erregern, wie das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) in Langen am Freitag mitteilte. Das bestätigten Forschungen des PEI gemeinsam mit Experten aus Großbritannien und den Niederlanden.Maserninfektionen sind nicht harmlos - sie können schwere Krankheitsverläufe verursachen, die auch tödlich enden können. Bekannt ist auch, dass die Masernviren zusätzlich das Immunsystem des Erkrankten gegenüber anderen Krankheitserregern schwächen. So kommt es bei einer Maserninfektion häufiger zu weiteren Infektionen wie beispielsweise bakteriell bedingten Lungen- oder Mittelohrentzündungen.

Vielfalt der Immunzellen wird beeinträchtigt

Forscher des PEI, das in Deutschland als Bundesinstitut für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel fungiert, untersuchten gemeinsam mit Wissenschaftern aus Großbritannien und den Niederlanden, welche Mechanismen zu dieser Immunsuppression führen. Hierzu analysierten sie unter anderem die Entwicklung einer wichtigen Gruppe von Immunzellen für das Immungedächtnis, der sogenannten B-Gedächtniszellen.

Während die genetische Zusammensetzung und Vielfalt dieser B-Gedächtniszellen bei Menschen ohne Maserninfektion und bei Geimpften stabil war, war bei Menschen nach Maserninfektionen die Vielfalt der Immunzellen zum Teil sehr stark beeinträchtigt. Zudem fanden die Forscher Hinweise auf eine Beeinträchtigung der B-Zellreifung.

Masern sollten längst ausgerottet sein - stattdessen nehmen sie wieder zu. In den ersten sechs Monaten 2019 wurden weltweit fast dreimal mehr Fälle gemeldet als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. (apa/afp)