Sinnbild für das Wechselspiel zwischen Psyche und Physis: Valie Exports "Selbstporträt mit Stiege und Hochhaus" aus 1989. Die Tagung "Frauenkörper und ihre Geschichten - der andere Blick" findet an der Medizinuniversität Wien am 15. und 16. November statt. - © apa/VBK Wien/Lentos
Sinnbild für das Wechselspiel zwischen Psyche und Physis: Valie Exports "Selbstporträt mit Stiege und Hochhaus" aus 1989. Die Tagung "Frauenkörper und ihre Geschichten - der andere Blick" findet an der Medizinuniversität Wien am 15. und 16. November statt. - © apa/VBK Wien/Lentos

Vor der Hitze gibt es kein Entrinnen. Ohne Vorwarnung steigt sie in ihr auf, bahnt sich hoch, breitet sich aus, kommt zum Siedepunkt und schiebt sich durch alle Poren. Dann entlädt sie sich, indem sie den ganzen Körper durchnässt. Der Körper trocknet, Erleichterung. Sie fühlt sich fast wieder wie die Alte, bis das Ganze von vorne losgeht. Auf diese Weise hatte sie sich den Wechsel nicht vorgestellt, sagt die 50-jährige Roswitha B. "Ich hatte nie Regelschmerzen, war eigentlich immer energiegeladen. Aber jetzt ist es anstrengend. Die Hitzewallungen sind wie ein inneres Gefängnis, ich kann nicht aus. Nach einigen Schüben bin ich ganz erschöpft und unkonzentriert, muss aber so präzise arbeiten wie früher. Das hätte ich mir so gar nicht ausmalen können."

Nicht alle Frauen spüren die Menopause gleich intensiv. Dennoch markiert sie bei ihnen allen eine Zäsur. Zweifelsohne wird das Leben der Frau stärker von zyklischen Veränderungen bestimmt als jenes des Mannes. Von der Geschlechtsreife, die mit der ersten Monatsblutung überrascht, über die Schwangerschaft bis hin zum Wechsel geht jedes Stadium mit sicht- und spürbaren körperlichen Veränderungen einher.

Weibliche Leben sind von Zyklen bestimmt

Mit dem ersten Eisprung und der ersten Regel beginnt nicht nur die Fruchtbarkeit, sondern auch eine Zeit neuer Anforderungen an Hygiene, Sexualität und Verhütung, sowie bei vielen Mädchen ein Leben mit regelmäßig eintretenden Bauchkrämpfen. In der Schwangerschaft wiederum erfährt die Frau enorme Veränderungen in sehr kurzer Zeit. Etwas wächst im Inneren. Sowohl der Körper der Mutter als auch ihre Bindung an das Baby wachsen mit. Die Geburt ist aufregend und für viele ein Wunder, das Baby erstmals in Händen zu halten eines der größten Gefühle des Menschseins. Gleichermaßen ist die Entbindung auch eine Trennung. Das Kind kommt zur Welt, die Mutter stillt es. Und stillt es ab.

Der Eintritt der Menopause zieht einen Strich unter die weibliche Fortpflanzung. Das Ende der Regel markiert den Anfang der Unfruchtbarkeit. Die Bauchkrämpfe, aber auch der Glanz der Haare, die straffe Haut und die passable Figur sind weg, dafür lässt es sich wieder mehr für sich selbst leben. Der Mann darf an der Illusion der ewigen Zeugungsfähigkeit länger festhalten. Obwohl seine Fruchtbarkeit ebenfalls abnimmt, tut sie dies ohne Zäsur.

"Der weibliche Körper ist stärker mit Einschnitten konfrontiert als der männliche. Sie dienen der Fortpflanzungsfunktion, sind aber auf der psychischen Ebene durch Bindung und Entbindung charakterisiert, womit Frauen umgehen müssen", sagt Katharina Leithner-Dziubas, Leiterin der Psychosomatischen Frauenambulanz der Medizinischen Universität Wien. Weil der Mensch denkt, ist es ihm möglich, seine Gefühle zu erkennen. Das kann große Freude bereiten, aber auch Verwirrung auslösen. "Weibliche Körpererfahrungen erfordern ständige Anpassungsleistungen an körperlich-seelische Veränderungen. Diese Anpassungsleistungen können die Entstehung psychosomatischer Störungen beeinflussen", erklärt Leithner-Dziubas. Beispiel: Der Wechsel allein verursache zwar keine Depression, könne aber bei so Veranlagten eine solche auslösen. "Erst wenn man den weiblichen Körper in seinen Lebensphasen und die damit verbundenen psychischen Vorstellungen berücksichtigt, wird ein differenziertes Verständnis psychosomatischer Störungen der Frau möglich", erklärt die Psychiaterin.