Ob Fußball, Skifahren oder Tennis - Sportarten, die mit abrupten Bewegungsmustern einhergehen, können unangenehme Knieverletzungen mit sich bringen. Ein falscher Schritt beim Passen, ein Sturz auf einer Eisplatte oder eine falsche Drehung beim Aufschlag sind häufig Ursache für Schäden eines wichtigen Mitspielers im Kniegelenk - dem Meniskus. Seine Funktion ist von wesentlich größerer Bedeutung, als viele annehmen. Reißt er ab oder ein, wird er üblicherweise genäht oder gleich ganz entfernt. Tabula rasa. Doch könnten Implantate voraussichtlich langfristig gesehen große Erfolge bringen, um eine weitere Schmerzkarriere zu verhindern, aber auch mögliche erneute Operationen oder gar einen künstlichen Knieersatz, betont Georg Brandl, Orthopäde am Herz-Jesu-Krankenhaus im Gespräch mit der "Wiener Zeitung".

Knorpelschäden die Folge

Im Kniegelenk gibt es einen Innen- und einen Außenmeniskus. Dort dienen die halbmondförmigen Schichten aus Kollagenfasern den Gelenkflächen des Oberschenkelknochens und des Schienbeins vorwiegend als Stoßdämpfer. Sie federn wuchtige Bewegungen ab und bewahren so Knorpel und Knochen vor Schäden. Ist er nur teilweise oder gar nicht vorhanden, kommt es zu schädlichen Druckspitzenbelastungen, schildert der Chirurg. Der Meniskus verteilt diese Druckspitzen auf den gesamten Knorpelbereich. Die Menisken dienen allerdings auch, ähnlich den Kreuzbändern, als Stabilisator des im Alltag stark beanspruchten Gelenks.

Meniskusverletzungen sind die häufigsten Sportverletzungen. Aber auch bloße Verschleißerscheinungen bei älteren Menschen können zu Schäden führen. Gerade früher war es üblich, den Stoßdämpfer bei Rissen gleich gänzlich zu entfernen, berichtet Brandl. Doch langfristige Ergebnisse haben gezeigt, dass diese Vorgangsweise massive Knorpelschäden mit sich bringt. "Das künstliche Knie ist damit vorprogrammiert." Heute wird in erster Linie versucht, einen beschädigten Meniskus zu nähen. Sowohl die Operationsmethoden als auch das Nahtmaterial haben sich in den vergangenen Jahren wesentlich verbessert, was in den meisten Fällen zu sehr guten Ergebnissen führt.

Spendermaterial nötig

Immer häufiger wird, sofern eine Reparatur nicht mehr möglich ist, ein Ersatz in Erwägung gezogen. Vor allem bei jungen Menschen, wo die Knorpelschäden noch nicht fortgeschritten sind, mache das Sinn, das defekte oder fehlende Teil durch ein Implantat zu ersetzen, so der Experte. Dafür werden heute Menisken von Organspendern herangezogen. Materialien, etwa aus tierischen Kollagenfasern, hätten sich als unbrauchbar herausgestellt. Der Meniskus aus dem 3D-Drucker "scheitert bisher an geeigneten Materialien". In seinem Aufbau sei er eher mit Knorpelgewebe zu vergleichen denn mit einer Sehne. "Er ist zellfrei und wächst deshalb auch nicht nach." Genau das sei auch das Problem. Der Meniskus wird in drei Zonen eingeteilt. Die innerste Zone ist völlig frei von jeder Blutversorgung, daher können Risse auch nicht mehr heilen. Weiter am Rand, also am Ansatz, sprossen feine Gefäße ein, wodurch es möglich wird, dass die Kollagenfasern durch Narbengewebe wieder anwachsen. Was bei groben Schäden nicht mehr möglich ist, macht sich die Transplantationsmedizin zunutze. Mittels aufwendiger Nahttechnik lässt sich das Spenderersatzteil an den Gelenksenden fixieren, um mit der Zeit wieder die erwünschte Einheit zu werden.

Aufgrund derzeit noch fehlender Alternativen besteht also die einzige Möglichkeit darin, auf das Angebot von Gewebebanken zurückzugreifen. Entsprechend den Anforderungen hinsichtlich von Größe und Alter werden die Ersatzteile angefordert. Vor allem die Größe sei dabei von Relevanz, betont der Mediziner. Die nötige Dimension wird im Vorfeld mittels Magnetresonanztomographie ermittelt. Danach wird ausgewählt. Universitäre Spenderbanken und Unikliniken mit Transplantationszentren in der EU oder in den USA seien diesbezüglich die vertrauensvollsten Partner.

Methode noch jung

Österreichweit würden pro Jahr derzeit rund 100 solcher Eingriffe durchgeführt. Sie erfolgen mittels Arthroskopie, also minimalinvasiv mittels winziger Schnitte. Die Zahl hätte sich in den letzten zwei Jahren nahezu verdreifacht, so Brandl. Derzeit kommen vor allem Mehrfachoperierte zum Zug, um Schmerzfreiheit zu erzielen und das Gelenk vor weiteren Schäden zu schützen. Die Kurzzeitergebnisse der ersten fünf Jahre seien extrem gut. Ob dies auch langfristig der Fall ist, muss noch in Studien gezeigt werden. Um hier Aussagen treffen zu können, ist die Methode noch zu jung.