Bei der Diagnose Gebärmutterkörperkrebs gibt die Immuntherapie offenbar zunehmend Hoffnung. Eine Klinische Studie mit über 100 Patientinnen habe kürzlich ergeben, dass es nach Versagen der Chemotherapie bei rund 40 Prozent zu einem deutlichen Ansprechen auf die Immuntherapie gekommen ist, erklärte Christian Marth, Vorstand der Innsbrucker Universitätsklinik für Gynäkologie, im APA-Gespräch.

"Nur bei einem sehr kleinen Prozentsatz wurde ein Weiterwachsen des Tumors beobachtet", so Marth. Die Ansprechdauer sei darüber hinaus sehr lange gewesen, was einen eindeutigen Vorteil gegenüber der Chemotherapie darstelle, betonte der Mediziner. Die Patientinnen wurden mit einer Immuntherapie (dem Checkpoint-Inhibitor Prembolizumab) kombiniert mit einem Hemmer der Blutgefäßneubildung (Neoangiogenese-Inhibitor Lenvatinib) behandelt. Bisher fußte die Behandlung dieser Krebsart überwiegend auf der Chemotherapie.

Weltweite Studie initiiert

Die Ergebnisse der Studie sollen nun ausgeweitet werden: Mittlerweile wurde laut Marth eine weltweite Studie initiiert, bei der die angewandte Kombinationstherapie in die sogenannte "Erstlinientherapie" des Karzinoms integriert wird. Erstmals würden dabei Frauen zufallsverteilt mit Chemotherapie oder Immun-Kombinationstherapie behandelt.

In diese Studie sollen über 720 Patientinnen eingeschlossen werden, 22 Länder weltweit nehmen teil und insgesamt an die 200 Zentren werden Patientinnen in die Studie einbringen. International koordiniert wird die Studie durch die in Innsbruck ansässige AGO-Studienzentrale. Ergebnisse werden mit Beginn des Jahres 2021 erwartet. Mit dieser Studie könnte erstmals beim Gebärmutterkrebs von Anfang an die Chemotherapie durch eine Immuntherapie ersetzt werden.

Gebärmutterkörperkrebs gilt als an sich gut heilbar. In Österreich erkranken jedes Jahr etwa 900 Frauen daran, etwa 150 sterben. Allerdings würden etwa 20 Prozent der Frauen einen Rückfall erleiden.

Die Immuntherapie gegen Krebs könne generell mittlerweile als Standardtherapie bezeichnet werden, unterstrichen Marth und der Leiter der Innsbrucker Uni-Klinik für Hämatologie und Onkologie, Dominik Wolf, in dessen Abteilung die genannte Kombinationstherapie nun auch vor einer Operation bei Lungenkrebs in einer frühen Klinischen Studie getestet wird. Die Immuntherapie komme aber auch häufig komme in Kombination mit Chemo- oder Strahlentherapie zum Einsatz.

Lungenkrebstherapie drastisch gewandelt

Im Bereich des Lungenkarzinoms - die zweithäufigste Krebsdiagnose und gleichzeitig die tödlichste Variation der vielfältigen Erkrankung - komme nun bei einem Großteil der Patienten die Immuntherapie oder die Kombination aus Chemo- und Immuntherapie zum Einsatz. "Die Therapie bei Lungenkrebs hat sich drastisch gewandelt", erklärte Wolf. Man sehe dabei eine "deutliche Verbesserung der Überlebenschancen", allerdings: "Es betrifft nur einen kleinen Teil der Patienten, die bei Lungenkrebs mit Metastasen von der Immuntherapie langfristig profitieren. Die über Jahre überleben können". Vor oder nach einer Operation im Falle von Lungenkrebs sei die Immuntherapie übrigens noch nicht zugelassen.

Doch auch die Immuntherapie sei nicht das alleinige Allheilmittel, betonten beide Experten der Medizin Uni Innsbruck. Bei bestimmten Krebsarten wie etwa Bauchspeicheldrüsenkrebs oder Prostatakrebs habe sie bisher "völlig versagt" und "keinen Stellenwert". Sie werde die klassische Chemotherapie auch in Zukunft nicht ersetzen - sondern werde häufig weiter Teil einer Kombinationstherapie sein. Und auch die Immuntherapie könne - wie die Chemo - Nebenwirkungen zur Folge haben. Unter anderem in Form von Darm- und Lungenproblemen. (apa)