Ihre konkreten Ratschläge?

Schalten sie möglichst viele Benachrichtigungen am Handy und am Computer ab. Lassen Sie möglichst wenig Störungen zu. Treiben Sie Sport. Meditieren Sie. Tun sie alles, was dazu beiträgt, dass Sie sich entspannen können.

Gibt es weitere Hirn-Mythen, die Sie gerne entzaubern wollen?

Absolut. Etwa die Vorstellung, wonach das Gehirn nachts runterfährt wie ein Computer, den man abschaltet. Tatsächlich ist das Gehirn nachts stoffwechselmäßig sogar aktiver als tagsüber. Das liegt daran, dass während wir schlafen das ganze House-Keeping gemacht wird - so wird etwa das Gedächtnis konsolidiert.

Ein weiterer Mythos: Dass die rechte Hirnhälfte für die Intuition und die linke für die Logik zuständig sein soll. Oder: Dass das Gehirn eine Festplatte ist, dass wir Informationen löschen müssen, um neue Dinge wieder reinzuschreiben.

Für mich ist es auch immer wieder schockierend, wie wenig Menschen bewusst ist, dass das Gehirn Träger aller unserer Gedanken ist. Es gibt aber viele Menschen, die glauben, dass unsere Gedankenwelt eine gewisse Unabhängigkeit hat.

Die Fortschritte bei der Entwicklung von künstlicher Intelligenz haben zuletzt die Diskussionen um die "Singularität" - also jenem Zeitpunkt, an dem der Computer dem Menschen überlegen ist - entfacht.

Wir benützen einen Traktor, um schwere Lasten zu ziehen, wir ziehen einen Taschenrechner heran, um Berechnungen zu machen, die uns sehr schwerfallen würden und die der Taschenrechner problemlos erledigt. Das stört niemanden. Aber warum fühlen wir uns von künstlicher Intelligenz bedroht? Ich bin gegen eine Frontstellung Computer gegen Mensch in der Debatte.

Wie erklären Sie sich diese Ur-Angst vor dem Übermenschen?

Tatsächlich haben viele ein Unbehagen, dass eines Tages ein Wesen oder ein Ding auf den Plan treten könnte, das uns intellektuell dramatisch überlegen sein wird. Und zugegeben: So etwas ist heute nicht mehr reine Science Fiction. Aber: Wir haben im Laufe der Jahrhunderte immer mehr Konkurrenz bekommen. Durch den Webstuhl, durch den Traktor, durch Roboter, durch den Computer. Was uns nervös macht, ist, dass wir nun in unserer ureigensten Nische, nämlich der Intelligenzleistung Konkurrenz bekommen: Dem Schachcomputer Deep Blue gelang es 1996 erstmals, einen Schachweltmeister - das war damals Garri Kasparow - in einer Partie zu schlagen. Dem Computer fällt es leicht, Muster zu verarbeiten und große Datenmengen und eine Unmenge von Optionen zu erkennen. Wer aber hat Deep Blue ersonnen und programmiert? Ein Mensch! Warum aber die Angst vor dem Übermenschen wieder zugenommen hat, hat damit zu tun, dass es uns heute schwerfällt, abzuschätzen, wie weit die Fortschritte in der künstlichen Intelligenz noch gehen.