Endlich einmal durchgeschlafen! Bruno, bestens ausgebildeter Diabetikerwarnhund, wacht verdutzt auf und sein Frauerl Helga H. kann es ebenfalls kaum glauben. Misstrauisch kontrolliert sie die Daten auf ihrer Smartwatch. Doch, alles im grünen Bereich. Üblicherweise warnen Bruno und ihr Blutzuckersensor mindestens dreimal pro Nacht. In einer Nacht war es elfmal. Der Piepston befiehlt ihr, entweder ein zuckriges Getränk zu sich nehmen oder dem Körper Insulin zuzuführen. Die Looper hatten tatsächlich recht: Wozu warten?

Doch von Anfang an.

Helga H. hat Diabetes Typ 1. Manifestiert hat sich die Erkrankung vor 20 Jahren. Bei gesunden Menschen wird das Hormon Insulin durch die Inselzellen der Bauchspeicheldrüse bedarfsgerecht ausgeschüttet und hält so den Blutzuckerspiegel auf stabilem Niveau. Bei Diabetes mellitus - umgangssprachlich Zuckerkrankheit - funktioniert dieser Vorgang nicht. Typ 1 ist eine Autoimmunerkrankung, bei der Antikörper gebildet werden, sodass es letztlich zu einer Zerstörung der insulinproduzierenden Zellen kommt. Damit wird die Zufuhr von Insulin lebensnotwendig. Denn wenn der Wert zu hoch ist (zu wenig Insulin), drohen als Langzeitfolgen Blindheit, Nierenversagen oder Gefäßerkrankungen, die in letzter Konsequenz zu Fuß- oder Beinamputationen führen können. Ist der Glukosewert (Blutzuckerspiegel) zu niedrig, etwa weil zu viel Insulin zugeführt wurde, kann es, nach Zittern und Schwitzen, zu Ohnmacht, Koma, Hirnschaden und Herzinfarkt führen.

Geschulter Blick und trotzdem Schwankungen

Als Helga H. jünger war, maß sie mit einem Stich in die Fingerkuppe und einem Messgerät ihren Blutzucker, berechnete, gut geschult, mit einem kurzen Blick ihre Mahlzeit nach Kohlenhydraten, zog den Pen mit der nötigen Menge an Insulin auf und spritzte es sich - meist in den Oberschenkel. Trotz penibler Einhaltung aller vorgeschriebenen Berechnungen durch die behandelnden Ärzte, waren Unter- und Überzuckerungen - im Fachjargon auch Hypo und Hyper genannt - nicht zu vermeiden.

Die später anstelle des Pens verwendete Insulinpumpe gepaart mit einem Blutzuckersensor flachte zwar die starken Schwankungen ab. Die Nächte waren aber weiterhin gestört. Müde und schlapp musste oft der Alltag bewältigt werden. Der Sensor misst alle fünf Minuten selbständig den Zuckerspiegel, die Pumpe kann im Halbstunden-Rhythmus programmiert werden. Genauer geht es fast nicht - dachte Helga H.

Drei Personen brauchte es, um die technische Entwicklung voranzutreiben: Die Geburtsstunde der Do-It-Yourself-Closed-Loop-Projekte - also selbstgebastelter künstlicher Bauchspeicheldrüsen - ist auf das Engagement einzelner Personen zurückzuführen. Es war Ben West, ein Informatiker mit Typ-1-Diabetes, der fünf Jahre seiner Freizeit dafür verwendete, die Funkverbindung zwischen seiner Insulinpumpe und dem dazugehörigen USB-Stick zu entschlüsseln.