Zumeist trifft Morbus Parkinson Menschen ab dem 60. Lebensjahr und älter. Doch rund zehn Prozent der Erkrankten sind erst zwischen 21 und 50 Jahren alt. "Das ist besonders herzzerbrechend, denn es trifft Menschen, die in der Blüte ihres Lebens stehen", bedauert Michele Tagliati vom Cedars-Sinai Medical Center in Los Angeles. Bei ihnen könnte die Veranlagung der Erkrankung aufgrund veränderter Gehirnzellen schon vor der Geburt feststehen, vermutet ein Forschungsteam um den Parkinson-Experten und berichtet darüber in "Nature Medicine".

Typische Symptome

Bei Morbus Parkinson handelt es sich um eine degenerative Nervenerkrankung, die bei den Betroffenen Beschwerden wie unkontrollierbares Zittern und kognitive Probleme verursacht. Eine wesentliche Rolle in der Entstehung der Erkrankung kommt der Eiweißsubstanz Alpha-Synuclein zu. Diese existiert auch beim gesunden Menschen. Bei Parkinson-Patienten ist sie allerdings fehlerhaft gefaltet und in Hirnnervenzellen abgelagert. Die typischen Symptome der Erkrankung kommen durch den Verlust von Nervenzellen zustande. Aufgrund des Absterbens dieser Zellen kann vor allem der Botenstoff Dopamin nicht mehr in ausreichender Menge produziert werden. Dopamin koordiniert die Muskelbewegungen.

Der Stammzellen-Test

Wo der Beginn der Erkrankung liegt, ist nicht sicher geklärt. Denn Ablagerungen finden sich nicht nur im Gehirn, sondern auch im Darm, in der Haut oder den Speicheldrüsen. Diagnostizieren lässt sich Parkinson eben durch den Nachweis der Anreicherung des Proteins Alpha-Synuclein.

In Österreich sind mindestens 20.000 Menschen an Morbus Parkinson erkrankt. Die tatsächliche Zahl dürfte allerdings höher liegen, vor allem weil Symptome bei älteren Menschen oft nicht richtig zugeordnet, sondern zumeist auf das Alter zurückgeführt werden.

Bei Betroffenen, bei denen sich schon vor dem 50. Lebensjahr Parkinson-Symptome zeigen und die Erkrankung festgestellt wird, dürfte die Veranlagung, wie das US-Team feststellt, schon vor der Geburt vorhanden sein. Für ihre Studie haben die Wissenschafter von Zellen junger Parkinson-Kranken spezielle Stammzellen - sogenannte induzierte pluripotente Stammzellen (iPS-Zellen) - erzeugt. Bei dem Prozess werden erwachsene Blutzellen quasi in ihre Kindheit gebeamt - also in ihren Urzustand als embryonale Stammzellen zurückgeführt. Diese können sich in jeglichen Zelltyp des menschlichen Körpers verwandeln und sind mit den Zellen der Patienten genetisch ident.

Mit den iPS-Zellen produzierten die Forscher von jedem Patienten Dopamin-Neuronen, kultivierten diese in der Petrischale und analysierten ihre neuronale Funktion.

Zwei Abnormalitäten

"Unsere Technik ermöglichte uns einen Blick zurück, um zu sehen, wie die Dopamin-Neuronen schon von Anbeginn an gearbeitet haben könnten", erklärt Clive Svendsen vom Cedars-Sinai Medical Center.

Dabei entdeckten die Forscher zwei Abnormalitäten. Einerseits fanden sie eine Anreicherung des besagten Proteins Alpha-Synuclein. Zudem stießen sie auf versagende Lysosomen - Zellstrukturen, die als Mülleimer für eine Zelle dienen, um Proteine abzubauen und zu entsorgen. Diese Fehlfunktion kann zum Aufbau von Alpha-Synuclein führen.

"Es sieht danach aus, dass die Proteine fortlaufend über eine Periode von 20 bis 30 Jahren falsch gefaltet werden, was dazu beiträgt, dass Parkinson-Symptome entstehen", erklärt Svendsen. Die Forscher nutzten ihre Modellzellen auch, um eine Reihe an Substanzen zu testen, die diese Abnormalitäten umkehren könnten.

Und tatsächlich stießen sie auf einen Arzneistoff namens PEP005, der im Frühstadium von Hautkrebs zum Einsatz kommt. In den Tests reduzierte dieser die Alpha-Synuclein-Level sowohl im Labor als auch in Mäusen. Jetzt soll in weiteren Studien überprüft werden, wie PEP005, das derzeit nur als Gel verfügbar ist, in das Gehirn befördert werden könnte, um diese frühe Erkrankungsform entweder zu heilen oder am Ausbrechen zu hindern. Des Weiteren wollen die Forscher herausfinden, ob die entdeckten Abnormalitäten auch bei anderen Formen von Parkinson vorkommen.